Steinkieslawinenabstiegsreich

von kaetheknobloch

Glattdunkel schimmert das Schwarzgewässer tief unter den hell leuchtenden Felsen, die du eben herzpumpend erklommen hast. Seidig, dieses Wort fällt dir als erstbeste Beschreibung ein und du lachst bitter in dich hinein. Seidig scheint es, doch die spitzscharfen Grate der unter der ruhigen Oberfläche wartenden Steine, die hast du genügend fleischgestreichelt. Deren Narben zieren dich reichlich, etliche nähgemustert obenauf und noch vielmehr unsichtbar subkutan. Spring doch, verführerisch schmeichelt sich dir die Tiefe an und du ahnst um seine mariannengrabeneske Traumverführbarkeit. Doch du bleibst stehen, da am scharfklippigen Rande und schaust den kleinen Steinen hinterher, die statt deiner den Absprung wagen. Wagen müssen, denn deine nackten wunden Füße denunzieren sie. Sie ruhten hier viel länger als du in diesem deinem kleinen Schnellathemmoment und doch wagst du es, sie hinwegzuzehen. Du fängst an nachzudenken. Beim Aufstieg, wieviele hast du weggetreten, nur um voranzukommen? Wieviele Lawinen hast du ausgelöst? Auch mit deinen hektisch nach Halt suchenden Fingern, die dann deinen gesenkten Nacken überrollten? Und wieviel dieser Steinkieslawinen hast du schlußendlich nur scheinbar bezwungen? Nicht springen, so klingt es auf einmal wahrnehmbar innenkraterig in dir und dann, dann tust du einen ersten Schritt zurück. Wagst, den Weg zu nehmen, der dir nie gewiesen ward. Den Abstieg. Er wird kein Rückschritt sein für dich, sondern ein weiteres Vorankommen. Zurück zu dir. In deine ureigene Tiefe. Und wenn du drohst lawinig zu werden, dann sind da alle diese Steine.

Sie werden dich halten, sie werden dich besicherfußen und sie werden dich schützend begleiten, egal welche Pfade du fürderhin nimmst. Bis du erkennst, wie steinreich du eigentlich bist.

Steinreich

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