bittemito

Monat: Juni, 2016

Adieukusströstlichlauschgespinst

Der erste Kuss, den man jemandem schenkt ist immer wie ein vorsichtiger Augenaufschlag, wie ein bebendes Heben des Wimpernvorhangs, weil die Ahnung dessen fehlt, was ein Autor wohl einem als nächstes in diese Lebensrolle schrieb. Und kein Souffleur ist in Sicht.

Der erste Kuss, den man jemandem schenkt ist immer wie ein  wehendes Flüstern, wie ein  ahnendes Erwachen der morgentauigen Pflanzen, weil da ein Seufzen mitschwingt, daß dieses Wasser nicht genügen wird. Und keine Regenwolke ist in Sicht.

Der erste Kuss, den man jemandem schenkt ist immer wie ein behutsames Befeuern, wie ein warmes Anhauchen der tintigen Feder, weil diese Zeilen nur flüsternd verkünden dürfen, was man selbst laut jubellierend notatierend möchte. Und kein Löschpapier ist in Sicht.

Der erste Kuß, den man jemandem schenkt ist immer wie ein leises Rascheln von zarten Blütenblättern, wie ein mariposiges Beben auf einem floralesken Gemälde, weil man vor Staunen über diese flatterfragile Schönheit das Athmen vergißt. Und kein Abbild ist in Sicht.

Der erste Kuß, den man jemandem schenkt ist immer wie ein vorsichtiger Pinselschwung, wie ein Farbschatten nur auf jungfräulicher Leinwand, weil man die Farbpalette nie richtig auszuschöpfen vermag ob dieser möglichen Vielfalt. Und kein Regenbogen ist in Sicht.

Der erste Kuß, den man jemandem schenkt ist immer darum so besonders, weil man nie weiß, ob es nicht gleichzeitig der letzte ist.

Summsanggetöseseufzschwungglück

Nichts wirkte mehr harmonisch, kein Synapsenrädchen rastete mehr ins andere ein. So geliebt das Tagwerk ist und genossen die Ruheminuten, dieser Mai hatte einfach eine Schippe zuviel draufgelegt. Zuviel an Gewerkel und zuviel an Gedenke. Die Denkapparatur streikte plötzlich knirschend und schrillte Alarm. Der Bauch hat das wohl mißverstanden und wollte sich rückwärts entgiften. Dass das so nicht funktioniert, weiß selbst ich. Höchste Zeit, mal wieder in sich selbst zu horchen. Hängemattenzeit.

Da lag ich nun mit dröhnendem Kopfe und Übelkeit, schwingschwungte sonntäglich unterm geliebten Ahorn in der Fastsommersonne, schlichtes Wasser nebenan und fragte stumm nach: Ey, Bauch, du kriegst dich doch wieder ein? „Grrrmmmm“, so seine erste Antwort und ein rauhes Kehlgekitzel. Und du, Kopf, was sagst du denn dazu? „Ruhe, ich muß nachdenken.“ Also bat ich das Herz inständig, nicht mehr so rasend zu toben und dachte mich bis ganz nach unten hinein.

„Nee, brauchste nicht erst fragen, heute wollen wir nicht eilen.“ summten mir die Füße zu und schickten ihr Protestgekribbel die Waden entlang. Die Kniee knickten seitwärts, kuschelten sich in die Schafsfelle und auch die flinken Hände wollten weder Buch noch Zeichenkladde halten. Ruhe, alle wollten einfach nur mal ruhig sein. Auch der Bauch hebsenkte sich alsbald flacher. Ich verstand und hörte auf zu fragen. Schaute in den Blauhimmel und die Hochsonne, die durch die Ahornblätter kitzelte.

Bis ein anderes Kitzeln mein Oberbein beschmuste. Eine Hummel inspizierte meine Schneewittchenhaut. Zog ihre Kreise flügelflirrend, küßte mir Pore um Pore und ließ mich subkutan lächeln. Das Lächeln wanderte durch meinen ganzen Körper und mit ihm erwachte meine innere Zufriedenheit wieder. Während mein Geist sich scheinbar in Albernheit flüchtete, schlief ich lächelnd ein. Ob Hummeln wohl die heimlichen Weltmeister im Vorspiel seien, dachte ich noch…

Zeitchen später erwachte ich, blinzelte in die Abendsonne und fühlte meinen ganzen Körper immernoch lächeln. Obgleich warm geworden, schmeckte das Wasser himmlisch und die Wiese war zum Abendtheater aufgehübscht. Die letzten Sonnenstrahlen sandten Spots auf Halme und Blüten, das ganze Orchester zirpte, summte und sang sich ein und ich beschloß seufzend, einfach liegen zu bleiben. Eine ganze Abendvorstellung nur für mich. Was für ein Glück!

Noch ein Zeitchen später naschte ich vom zarten Salat, den der Liebstlieblingsfamosgeselle bereitet hatte, ein Quentchen Brot dazu, der Bauch schien damit einverstanden. Nur noch den Baldachin festmachen und eine Decke zu den Fellen hinzugelegt und flugs ins Bad. Dann empfingen mich die ersten Nachtvögel zu ihren wechselseitigen Soli. Erwacht bin ich erst wieder frühdämmerig beim Loblied der Heckenbraunelle. Kopf, Herz und Bauch waren wieder friedlich vereint.

Stilleseinfriedensreichsilben

Lass uns wie Stille sein, so stille wie wir manchmal sein müssen um den tosenden Lärm zu ertragen. Lass uns friedlich sein und dankbar für das, was wir haben. Lass uns teilen und tonlos lieben und lieben lassen. Und bitte lass uns nie vergessen, wie reich wir sind, weil stiller Friede unser größtes Vermögen ist. Die Stille, die wir dann teilend sind, flüstert liebtosend uns tausend kleine Pupillenpoems zu.