bittemito

Monat: Oktober, 2016

Schreiben ist ein stetes Wundern

Schreiben ist ein stetes Wundern, ein Kopfschütteln über die Möglichkeit des Jonglierens mit Strichen, Bögen und punktuellen Variationen. Selbst wenn eine solche Buchstabenskulptur mal kauderwelschpurzelig sich selbst überschlägt.

Schreiben ist ein stetes Wundern, ein Seufzjuchzen über die Feinstgefährlichkeit des Balancierens auf diesem schmalen Silbenseil. Selbst wenn seitwärts besserwissertiefe Abgründe maulfaulig erscheinen.

Schreiben ist ein stetes Wundern, ein Zehenspitztanz zu den innersten wilden Melodeyen dessen die eigenen Sinne auf rissigen Blogplanken zu mazurkan so fähig sind. Selbst wenn ein Nörgelnagel apostrophisch sich spreizt.

Schreiben ist ein stetes Wundern, ein Herzschlagstottern über die Selbstseltsamkeit der Silbersilbenspuren, deren Folgen mitunter schlußendlich an nur dem einen denkbaren Ende sich manifestieren. Punkt.

 

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Und manchmal ruht das größte Wunder trautversteckt zwischen allen den hüpfjuchzenden und silbrigtanzenden Zeilen. Das Wunder namens Schweigen.

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Der Sommer der Un-Möglichkeiten

Dieser Sommer war so unmöglich, dass er schier tatsächlich nicht möglich zu sein schien. Die sich auftuenden Möglichkeiten erschienen erschreckend schön und gleichzeitig voller möglicher Unwägbarkeiten, sie konnten sich nur im freien Handeln negieren. Und anschließend wieder positivieren. Falls so etwas wirklich möglich ist.

Mutanfälle wurden heftig gelöhnt aus Vermögen, welches keinesfalls mit monetärem Besitztum beinhaltet war; sondern mit ganz tiefer Liebe zu von Herzen erschaffener Habe. Doch dieser womögliche Verlust gebar wiederum neue Möglichkeiten. Aus Mögen entstanden horizontweite Blickigkeiten, die das Leben ungemein intensivierten.

Verletzungen konnten unmöglich verhindert werden und mit ihnen die bittere Erkenntnis eines Verrates, dessen Innewohnen in einem selbst in letzter Konsequenz nur zu offenbaren möglich war, weil die Selbstliebe endgültig in das Mögen investierte. Möglicherweise zum ersten Male in diesem Leben auf diese einzig radikale Art.

Es war ein Sommer der Un-Möglichkeiten, er kam spät, doch heftigzart in seiner Intensität. Zum ersten Male sehnte ich ihn mir unendlich herbei. Doch der Herbst hat wohlmögend seinen fühligen Staffelstab aufgenommen und läßt unmögliche Wunder weiter einfach als möglich erscheinen. Ich glaube an Wunder. Un-Möglich fest.

Herbstclematis

Flüsterschallwellenfühlen

Kaum hörbar dezibelen sich Kosesilben den alten Namen behutsam umbettend kopfseitmittig  in das Bewußtsein ein. Mehr athemahnend als lautsinnig addiert die zarte Ohroberfläche die leisen Laute zu diesem wandernden Streicheln und subkutant das entstandene Sanftbeben in sich hinein. Phone entsegmentieren sich und Konsonanten entwirbeln ihre Stimmstürme zu sachtem Hauchen. Innerkopfig stimmen die Synapsen sich ein, daraus einen Kanon entstehen zu lassen, der sich überlagernd nie enden möchte, während zarte Hauthügelchen wellend die gestreckten Halsflächen entlang bebend sich räuspern zu scheinen. Die inneraderigen Noten oktavieren sich tiefer und tiefer, queren sachte die Brust und bauchwärts bleibt ein sattes Brummen, gerade so als wäre man selbst ein vibrierender Klangkörper in diesem Momente geworden, ein einziges zartgespanntes Trommelfell. Ein Staunen ob des wohltuenden Echos, das dieser schier vergessene Name hinterläßt, quillt in mir leise auf und mit ihm salzgutes Augenwasser. Ich kann diesen Namen lieben. Und mit ihm dich. Flüsterschallwellenfühlend.