Mr. Turner piept nicht mehr.

von kaetheknobloch

Das federige Winzding lag irgendwie seltsam verdreht und überaus deplaziert auf dem tausendtrauten Steinboden des Hinterhofes. Mit meinem Niederknieen stieg gleichsam das Augenwasser auf, als wäre die Trauer um ein Lebewesen eine Art hydraulisches Muss, eine tief gefühlte Mechanik, deren Insichgreifen keines extraigen Befehles bedarf.

Zu jung, zu winzig, zu tot lag es dann in meiner Hand. Kein Gewicht zu wägen, kein Gefieder zu glätten und der kurze Moment des vermeintlichen Pochens- es war nur mein eigenes Klopfding brustwärts, welches mich ein vergangenes Leben spüren ließ. Zeitchen verblieb das entleibte Wesen in meinem pulsenden Händen, keine Hoffnung auf Wiederkehr löste diese seltsame Brandung aus, sondern ein Wissen um den einen immer gültigen Kreislauf.

Ich brach eine weiße offenblütige Tulpe und bettete das Vogelkörperchen darin, umgab es dann mit frischem Blattwerk und wir verabschiedeten uns von dem ungelebten Leben, wandten uns dem anderen zu, welches noch kleinfiepsig aber konstant auf sich aufmerksam machte. Mrs. Turner piepte mehrmals…

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