Die Netze werden dichter gesponnen

von Käthe Knobloch

Was uns draußen mit leiser Melancholie erfreut und von Reifung und willkommender Ruhe sachte kündet, scheint sich im politischen Herbste anders zu verdichten. Klebrige Populismusfäden werden wild versponnen und fischen üppig im Trüben. Vermeintliche Retter überschütten uns mit hohlen Mustern und fressen sich fett an unserer naiven Dummheit. Die eigentlichen Fädenzieher augenweiden sich an unserem hilflosen Gezappel, wenn die Schlingen sich fester ziehen. Und wenn wir so wild und blind um uns schlagen, treffen wir nur die, die mit uns auf diesen Leim gegangen sind. So fein sind die Gespinste der Intrigen und Lügen, sie sind als Falle kaum zu erkennen. Bereitwillig lassen wir uns ködern und nur zu gerne fallen. In Netze, die Sicherheit suggerieren sollen und doch nichts anderes sind, als klebrige, modrige, veraltete Raster. Es ist Herbst geworden, ein Herbst mit braunem Getön, wo doch ein leuchtendes Rot hätte prangen können. Doch wer im Netze zappelt, verliert wohl seinen Durchblick. Dient als fette Beute und nährt so die, die ihn umgarnen. Die Netze, sie werden immer dichter gesponnen.