bittemito

Monat: Februar, 2018

Der Schneekönigin kaltes Zwinkern

Das träge Flügelschlagen des schwarzen Vogels hätte auch von großer Hitze kunden können und das flirrende Licht, das er querte, ebenso. Doch unser flacher Athem mit seinem Dunst und ein damit verbundener Bewegungsdrang waren fast Beweise genug für den endlich klirrend kalten Winter. Gestern Nacht hatten wir den strahlenden Orion bewundert, der triumphierend die schwangere Mondsichel über sich zu heben schien. Raus, nur raus, so raunten unsere wärmelahmen Körper in diesen lichten, bleuen Stunden und straften klamme Finger und tränendes Augenrund mitleidslos ab.

Unsere Füße tönten seltsam schöne Elegien auf den knirschenden Boden, Balladen des Winterglücks, die unsere Herzen heißblütig im Takt erfanden und subkutan die Noten weiter wärmend klingen ließen. Die Komposition aus Klarheit und Stille war just ein Wintertraum. Die stubenmüden Augen flossen uns über, Eiskristalle nisteten an unseren Lidern und nur die wärmende Fülle unseres gespeicherten Lachens bot augenwinkeligen Schutz vor der Schneekönigin kaltem Flirt. Und natürlich die Unermüdlichkeit unserer kardiagisch fleißigen Komponisten.

Abweisend kahlten Felsen in das Blau, umworben nur von schnell springenden Winden. Der Frost sprengte beflissen Risse durch die Ewigkeit in seinen ihm rar erscheinenden Stunden. Verwies alles Sein und Wachsen auf die hoffentlich kommende Zeit und wir wußten: Bald leuchten gelbe Sonnenküsse auf diesem harschen Stein und künden von der Linderung des Winters kaltem Husten. Das alte Lied machte uns lächeln, wir bewahren es in uns und geben es weiter mit jedem Moment unseres ahnenden Seins.

Auch des Flusses Herz strömte unermüdlich. Der schwarze Vogel war sein frequentierter Schatten und fing unsere wachen Sinne. Wir folgten ihm, bis ihn das bleierne Band des Stromes in sich barg und wandten uns wissend zueinander. Darf ich bitten, fragte dein winterklarer Blick und leise raunten meine Wimpern ein verneigendes Ja. Wir waren eine warme Insel inmitten der Winterpracht und so ganz stille Hitze in diesen kalten Februartagen. Vielleicht kündeten auch wir von wärmeren Zeiten und endlosem Licht. Genau in diesem einen Moment.

 

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Brückenunruhfastbürdeüberschautableau

„Hey, Bridget, hast du das auch gehört eben?“ „Gäääääähn, was ist denn los, Brygga? Die Sonne steht noch flach und die Nachtzüge sind alle durchgerauscht…“ „Jaja, aber da war gerade so ein Klicken, ein mechanisches Geräusch in der kurzen Stille!“ „Vielleicht ist ja bei dir ’ne Schraube locker, die jüngste biste ja nicht mehr.“ „Fang bitte nicht vor dem Achtzehner an zu stänkern, ah, da kommt er ja…“ ~~~IC-Durchsausegeräusch~~~

“ Hach, von diesem Kribbeln kann ich gar nicht genug kriegen, von wegen nicht mehr die jüngste! Beim Vibrieren mache ich mancher Jungspundpons noch was vor, meine werte Bridget.“ „Jaja, zum alten Eisen gehören wir noch lange nicht, auch wenn wir stellenweise angerostet sind, du hast ja recht. Apropos: Wäre es nicht mal wieder an der Zeit, eine wohlige Korrosionsbehandlung über uns ergehen zu lassen? Und dieser ganze Vogeldreck müßte auch mal wieder … Momentchen, der Achtfünfzehner kommt angeschnauft…“ ~~~Regionalbahnzuckelgeräusch~~~

„Ach, liebste Schwester im stählernen Geiste, manchmal träume ich davon, eine ganz andere Brücke zu sein. Vielleicht eine elegante, kurvenreich geschwungene oder gar eine, die sich hochziehen läßt…“ „Meine liebe Brygga, sei bloß froh, dass wir so stabil und stämmig gebaut sind, wie söllten wir denn sonst diese Zugbelastung ertragen?!“ “ Pscht, Bridget, da isses wieder!“ „Was denn, Brygga? Ich spüre nur das ankündigende Schwirren des Achtachtzehners anbrausend in den Schienen“ „Nein, nein, da war wieder dieses Klicken wie ein kleiner Ewigkeitston…“  ~~~IC-Durchsausegeräusch~~~

„Ich weiß nicht, was du meinst, liebste Brygga. Ich höre außer den Zügen nur das Ewigkeitsgeflüster des alten Rheins und manchmal klingt der Singsang des Mains herüber. Das Rauschen der Schiffe unter uns. Das Schnaufen der Läufer und ihr Fußgetrappel und das Klingeling der ungeduldigen Radfahrer…“ „Da, da schon wieder! Ein Klicken wie wenn Metall Metall umschließt! Es macht mir Angst, liebe Bridget.“ „Ach, das meinst du, Brygga! Da wird wieder so ein Menschenpäarchen eines der dämlichen Schlösser an uns geklickt haben. Eine gräßliche Plage für unsereiner. Für immer und ewig, pah! Wir wurden auch einst für die Ewigkeit gebaut und nun gehst du mir schon morgens auf die Träger!“ ~~~Güterzugdurchrattergeräusch~~~

„Jetzt wirst du aber ungerecht, Bridget! Ich finde das irgendwie süß. Ist doch niedlich, wie die Menschlein ihre Liebe nach außen tragen…“ “ Die Menschlein? Wer trägt denn diese Liebe nach außen?! Das bin ja wohl ich! Ich habe schon langsam ein Ziehen in der Hüfte, nix mit Ewigkeit, wenn das so weitergeht!“ „Ach, komm schon, sei friedlich. Fühl doch mal, der nächste Regio kündet sich schnurrend an. Und da die zwei  Menschlein, die leise lächelnd zu uns aufblicken. Da schwindet selbst meine Angst. Ich glaube, die können uns richtig sehen. Die haben gewiss kein Schloß dabei.“ “ Ach Brygga, du wieder! Halt doch mal die Schrauben stille! Ich mache jetzt einfach wieder die Augen zu“ „Na gut, ich träume auch noch ein bißchen vor mich hin. Gleich kommt noch der lange Güterzug, der lullt mich immer so herrlich ein. Ach, Bridget, eines noch: Ich habe dich erzlieb…“ „Halt die Schwelle, Brygga! Immer du und deine Scheißerzchenromantik!“

Winterlichthierseinsreichtumwissen

Taumelnde Winterlichter, sie prospektieren nur amusisch flirtend. Diese flüchtigen Momente des scheuen Lides Heben bergen mehr Lohe, als das des eigenen Auges Spiegel bedarf. Man möchte die Wimpern tränend senken, um solche Pretiosen überhaupt ertragen zu können. Reicher ist bald kein Dasein möglich, inmitten solch‘ leuchtender Glorie. Bäume scheinen aus flüssigem Gold geädert, feinste Intarsien aus Silber fluten ihre Zweige und ein azurne Hoheit nobelt alles profane Sein. Ein Ächzen geht dann manchmal durch die eigene Seele, doch nichts als elfenbeinene Ergänzung umfasst die womögliche Blickigkeit. Und Ebenholz adäquiriert sich seufzend dazu. Kristallig schwebt ein Gewisper über dem Schilf. Eisglänzende Perlen beschimmern erstarrtes Geäst und diamantenes Leuchten legt sich tuchend über die ruhenden Gefilde. Es ist ein lichtes Reich und reines Sein. Für Dich und für mich.