bittemito

Monat: März, 2020

Märzensprossen aus Licht

Morgensonne besommersprosst die helle Zimmerwand. Ich wende den Kopf zum Fenster und bekomme lichte Pupillenküsse. Drehe mich wieder zur anderen Seite, wo ein Lächeln auf mich wartet. Und leise, warme Worte. Ein Wunsch für den Morgen. Anhautungen, die subkutan weiter wellen. Geborgenheit und Frieden. Die Sonnenpünktchen wandern durch den Raum und über unsere Schlafstatt. Kein Termin, kein von Verdienst getaktetes Leben eilt unser Sinnen. Wir lernen Liegenbleiben. Schauen der Zeit beim Vergehen zu. Lassen die Lichtsprossen an unseren Armen wandern, in unsere Händen fließen und auf Fingerkuppen tanzen. Luminale ganz für uns allein. Durch Märzensprossen aus Licht.

Meisenlehrmehrleseliebe

Seit letztem Herbst liegt das Buch da , wie viele andere auch. Tagewerk und Broterwerb ließen kaum Zeit zum Lesen. Doch die viele Arbeit im Garten wurde stets vom Meisengezwitscher begleitet. Und von elegantem Geturne in Strauchwerk und Gehölz. Auch die Rosen wurden oft piepsend inspiziert.

Im Winter hängten wir einen Nistkasten an die Rückseite der Blumenwerkstatt. Und natürlich einen Körnerspender. An beiden tat sich nicht wirklich viel.

Jetzt habe ich gezwungenermaßen Zeit. Sitze in der warmen Märzensonne und lese Herrn Tjernshaugens kluges Buch. Wenn ich den Kopf hebe, sehe ich ein Kohlmeisenpaar. Pupillentheorie wird zum Meisentheater. Den Nistkasten hat das Hähnchen seiner Liebsten auch schon angetragen. Verborgenes Leben leibhaftig erleben fetzt!

Kontaktloser Dank mit Herz

Ein Anruf bei der hiesigen Ärztin. Sie selbst meldet sich ziemlich knackig. Mit Namen und dem Hinweis, man solle in der Leitung bleiben. Wartezeit ohne Gedudel, Hintergrundgeräusche, dann ein deutliches: „Sie schaffen das, Frau Klabuschke, ich schaffe das hier ja auch!“ Dann ist Frau Doktor wieder am Apparat. Ich schildere mein Begehr, ein Rezept nur. Deutliche Anweisung, klare Ansagen, denen ich prompt folge.

Bis auf einen Unterschied: Als ich die Praxis Zeitchen später verlasse, bleibt auf dem Tresen eine kleine Glasvase zurück. Darin ein kleines Sträußchen mit einer Ranunkel in Rosmarin gehüllt. Ein Herzensdank.

Die Tür zur Praxis öffnet sich hinter mir nochmals. Über dem Mundschutz leuchtet ein müdes Augenpaar auf: „Dankesehr! Genau das brauchen wir jetzt!“ Sprichts und macht dann ihre einsame Arbeit weiter.

Baumblütenschneeträume in Moll

Die Rosen blühten zuletzt ununterbrochen. Verströmten sich und ihren Zauber immerdar. Gediehen fast zur steten Beliebigkeit. Ein radikaler Schnitt bewirkte Verjüngung und neue Wuchsrichtungen. Zu radikal, zu tief? Diese Fragen brandeten wohl an, bangten aber nicht unsere Herzen. Schnee küßte uns und sie diesen Winter nicht.


Innige Herzensliebe ließ unsere Hände sich mit der Erde verbinden. Zum Guten hin. Der Garten wandelte sich zum bonfortionösen Ernährer. Einige Rosen wurden umgesiedelt. Sie verübelten es uns nicht. Anstatt immergrünem Gartengezier fluten Farbe, Duft und Geschmack unsere Sinne. Zuviel von allem scheint es zu sein. Also teilen wir und bekommen so viel mehr zurück.


Jetzt ist die Zeit des Baumblütenschnees. Die schwebenden Blütenträume möchte ich durchjuchzen, unbeschwert unter azulnem Himmel tanzen und die Pracht aufwirbeln lassen. Der zeitige Frühling birst mir fast die Brust durch seine Freuden. Doch auch ich halte inne. Nehme nur leise lächelnd Deine Hand. Wir halten uns. Bleiben im eigenen Reich und der Baumblüte fern. Entschleunigung. Wir wollen vom Schlechten das Gute sehn. Und die Chancen darin.