bittemito

Monat: April, 2020

Schwarzweißunddasdazwischen

Die Beeindruckung der gestrig teilweise begleiteten Demonstration bleibt. Nachhaltig. Es ist wie ein begeisterter Spiegelblick, ein erkennendes Jugendbild. Transformiert in andere Zeiten. Die weder besser, noch schlechter sind. Schwarz- und Weißmaler haben schon seit jeher alle Farbtöne dazwischen vergessen.

Der Stream ist mit allen Pannen und Patzern online gestellt, das kann man sich nämlich auch mal trauen. Realität statt Schönfärberei und Augengewische. Für Schnellgucker empfehle ich tatsächlich die Tagesschau (Das hätte ich von mir selbst nie gedacht!). Dieser Beitrag ist ein Lehrstück in Sachen Medienkompetenz und Leitmediendienertum. Ich suche jetzt nochmal nach den Neuruppiner Schülern, deren Projekt beschäftigt mich. Es fühlt sich an wie selbstbedruckte Shirts mutig unter dem FDJ-Hemd zu tragen.

Manche Liebe kann warten

Am letzten Tag des vergangenen Jahres fiel eine Liebe in mich. Eine, die ich nicht erwartet habe und die dennoch blieb. Immer noch in mir wohnt und mich sehnsüchtig macht. Ich führe Buch über diese Liebe, katalogisiere und kartiere sie. Porträtiere ihre verschiedentlichen Antlitze und hänge mir diese Abbilder an die Wand.

Nun muß diese Liebe warten. Das tut sie auch. Meine Sehnsucht ficht sie nicht an. Trulliliebe ist standhaft. Und ich habe ja die Bilder solang.

Nochaltlastablegenotatecho

Diese Freude beim Anblick eines kleinen Fitzelchens alter Tapete, chic durch die Jahre in unsere Zeit gefallen, der ein leises Bedauern folgt. Die marode Wand anbei mitsamt unnützem Ofenrohr bedarf einer Neuverputzung. Wenigstens lichbildnerisch bleibt sie erhalten. Nochaltlastablegenotat.

Und dann ist da noch dieser vermaledeite Einbauschrank. Eine ganze Zimmerseite massiv verholzt. Überlegungen zur eventuellen Nutzung weiterhin. Überstreichen? Teilweise stehen lassen? Nein, das Ungetüm kommt weg. Und wieder bebt das Haus vor Hammerschlägen.

Dann plötzlich Stille. Staunen und anwellende Freude fluten Auge und Herz. Vorsichtiger tönen nun die Arbeitsgeräusche. Die Flut steigt bis zum Gewißheitsdeich, brandet jubilierend an: Was an anderer Stelle nur ein Fitzelchen war, überdauerte hinterschrankig circa sechzig Jahre an einer ganzen Wand.

 

Tausendnämchennomenklatur

Deine Namen sind unzählbar, du wundersames Tausendschön. Bist wacker unschlagbar auf hart umkämpften Rasenarenen, Konrädchen mein. Als Marienblömchen wird dir gehuldigt und wieviele Mädchenschöpfe magst du schon als Maddeseblümchen bekränzt haben. Warst nicht nur eines Herzens Liebchen, nein, viele maßen ihr Glück an deinen Blütenblättern ab. Massliebchen fein. Tausendtschintscher wirst du auch genannt, der Name läßt die Gänseblümchenwiesen hurtig auferstehen. Schau mal, die Angeblümelein, wie sind die tausendschön~~~

 

Blattbreviere und Blütenepisoden

Vor den frühen Blättern des Bärlauchs haben wir uns gebeugt, es war noch kühl und der Duft eine Verheißung. Die meistens haben wir flinkfingerig eingefangen und in Butterkissen gebettet.

Etliche drehten mit Walnussstatisten bei goldenem Ölhorizont eine heisse Westernparodie, die anwesenden Parmesanspänchen sanken nur so zart schmelzend dahin. Pestoitalianowestern.

Jetzt leuchten uns tausend Bärlauchsternchen in der Dämmerung, kleine Feuerwerke in Bodennähe. Und wieder beugen wir unsere Knie, um sie zu huldigen. Ein paar nehme ich mit hinein.

Auch andere, inzwischen sich wölbende grüne Verheißungen nehme ich mit. Deren Duft ergibt sich in heißen Wassern zu vollmundigem Tee. Schmecken nach minzigen Frühsommerküssen und Melissenflirt.

Blattbreviere und Blütenepisoden, alles hat seine wohlfeile Zeit. Glücklich, wer um diese weiß.