Libellenschwebeseidenstil

von Käthe Knobloch

Tarsun spricht durch ihre Hände. Manchmal kann ich sie sogar verstehen. Die Laute, die ihren Mund verlassen sind nur in der Intensität deutbar. Ein kehliges Lachen, kurz ausgehustet wie ein eigentliches Verschluckgeräusch; läßt mich erleichtert mitlachen. Es bedeutet für uns beide, diesen kleinen Moment ist alles gut. Schon Zeitchen später will ihr kleines Gesicht in Verzweiflung welken. Und ihr Mund kann nur noch Schrei sein.

Tarsun spricht durch ihre Hände. Zeigend sprossen ihre geschlossenen Finger durch unsere Zweisamkeit. Meist folgt sie ihrer ganz eigenen Choreographie, ich staune stumm. Dreht sie die Handfläche in der Bewegung öffnend zu mir hin, möchte sie etwas haben. Nur um es eventuell abrupt abzulehnen. Ein Schrei und dann müde Verzweiflung. Doch nicht immer. Ich lerne von Tarsun, noch genauer hinzusehen.

Tarsun spricht durch ihre Hände. Sie hat feingliedrige, zarte Finger, die wie Libellen schweben können und eine fünfzigjährige Haut aus Seide. Wie immer warme Kinderhände. Manchmal legte sie diese wie zur Ruhe in die meinen. Derzeit nicht. Ich trage Handschuhe, das irritiert sie sichtlich. Manchmal quittiert sie mein Gesinge und Gemurmel unter der Maske mit Handgeflatter. Libellenpanik. Dann halte ich inne und sehe weiter hin.

Tarsun spricht durch ihre Hände. Ich will weiter lernen, ihre Sprache zu verstehen. Der Libellen schwebender Stil ist von seidiger Vergänglichkeit.