Zum dreizehnten Mond hin

Zwölf Monde erhellten unser ruhendes Dunkel diesjährig bereits. Der dreizehnte bringt uns ans Ende eines Jahres, welches entblößt und wahre Gesichter zeigt. Ein Jahr der Offenbarungen. Gezeiten ändern dich.

Heute in der diakonischen Einrichtung. Nach vierzehntägiger Quarantäne ist sie wieder für externe Seelen geöffnet. Der Betreuer, der meinem Schützling zugewiesen ist, sieht müde aus. Berichtet schlagwortartig, es ist keine Zeit für lange Umschreibungen: Dreiundreißig Klienten, zwanzig Mitarbeiter, alle infiziert. Krisenmanagment funktioniert bis an alle möglichen Grenzen. Halbehalbe zwischen leichtem und schwerem Verlauf. Zwei intubiert. Keine Todesfolge bislang. Er schluckt, mir steigt Augenwasser auf. Er liest die darin schwimmende Frage, nickt und sagt: ‚Klar machen wir weiter, was denn sonst…‘ Ich antworte bebend: ‚Bis morgen… und Danke.‘

Während die einen Mensch bleiben als soziales Wesen, leugnen andere unabdingbare Notwendigkeiten. Bringen sich und andere unnötig in Gefahr. Es macht mich fassungslos, was Wohlstand aus uns zu machen vermag. Noch die kleinste freiwillige Einschränkung trifft auf harschen Widerstand. Manche fühlen sich gar als Opfer, wähnen sich diktatorisch beherrscht. Was bleibt uns denn als Gemeinsamkeit? Reden. Schreiben. Verstehen. Und beten.

Ich bete zum dreizehnten Mond der Milde, er möge Erbarmen in sein Strahlen legen. Und Weisheit. Sende Bittworte an Jupiter und Saturn, sie mögen uns mahnen in ihrem innigen Kusse gerade in diesem Jahr. Und ich denke die gut an, die trotz Sorge für uns sorgen. Ich glaube an die Menschlichkeit, immer.