bittemito

Fliederleichtreiseleiseliederlicht

Dieses Geschaume aus Farbe und Duft überprächtigte unsere Sinne. So karg der Winter, kalt, rein und licht; umso üppiger umsommerte uns pötzlich ein schier zu spät erwachender Lenz. Tage sonnten sich hitzig, die blauen Stunden flüsterten Novellen in leichter Flirtigkeit und nächtens zog der hohe Mond die Triebe gen Arkadien. Wir waren voller Staunen wie Kinder und entdeckten uns eine neue alte Welt. Rochen Bärlauch, noch bevor wir den grünen Waldteppich betraten, nüsterten lilafarbene Hagen, die über sprießende Flure wachten und verneigten uns mit bebenden Wimpern vor diesen Gemälden aus Lebendigkeit und Lust und manchmal, manchmal tauchten wir tief in sie hinein. Ein weißes Bouquet erbat ich mir als Reisebegleiter, als ich Dich und diesen kurzen Sommertraum verließ.

Mit ihm flog unser Lächeln über das Land und mitunter bekam ich es sogar lichtleicht zurück.

 

Advertisements

Lustbarkeitsschaluppenjubelillusion

Hätte, hätte, Ankerkette! Der alte Kahn knarzte unwirsch bei dem Gedanken daran, was alles aus ihm hätte werden können. Stattdessen moderte er hier als Landratte vor sich hin. Zillenmimikry statt Wonnegondel. Ach, was für ein Verhachungsnachen hätte er doch sein können! Sanft auf Glitzerwellen sich wiegen, vielleicht ’nen schnieken Anstrich in bleu. Oder meerjungfrauengrün. Frischholzbronzen! Die Vorstellung ließ ihn anwellend schaudern. Sanft lösten sich weitere Farbpartikel aus seinem maroden Rumpf. Ein Gutelaunenauen, eine Lustbarkeitsschaluppe oder eine Jubelbarke gar! Eine Spaßbarkasse… Ach, fast nicht auszudenken wären die Vergnüglichkeiten, die mit ihm stattfinden würden und manchmal bei Mondenschein, da würden vielleicht Liebende in seinem schwankenden Schutz zueinander fließen, so wie alle Zeit in Einigkeit zusammenströmt. Eine Juchzjolle wäre er dann, die Nummer Sechs der Kurparkkanus womöglich. Dieser Traum ließ den alten Kahn in seiner ländlichen Ruhe sanft dümpeln und dann, dann begann er sachte zu schweben. So ist aus einem Wasserwegewrack ein Luftlustschiff geworden.

Letztjährig um diese Zeit hat unser Blick dieses Wrack geentert, das Bild wanderte in den Speicher „Kurios“ und dümpelte geruhsam vor sich hin. Die hiesige Kurparkseeflotte kam sommers hinzu und die Jollenliaison war perfekt. Fehlte nur noch der eine geistige Paddelschlag, um mit einer Pulle Silbensekt die Blogtaufe zu vollziehen. Die fabulöse Frau Ulli ist nun mit ihrer Bootsparade die Taufpatin geworden und manchmal werden Netze zu Feldern, mitunter zu Wäldern und dann strandet vielleicht ein gerundeter Silbenkiesel im Wortemeer. Mit Blickrichtungsbrandung ~~~

Mir ist der Blick so milde geweitet

Mir ist der Blick so milde geweitet
wenn deiner sich mit ihm vermählt.
Seit deiner Seele Treue mich begleitet
werden meine Breviere neu erzählt.

Mir tönt das Leben lieb vollkommen
seit deine Noten an meine Lieder rühren.
Du hast die Dissonancen genommen,
kamst, um sachte Kantaten aufzuführen.

Mir bangt nicht mehr mein wildes Sein
und jedes Sehnen wandelst du in Sinn.
Zeigst mir im Dunkeln noch den Schein,
und dessen Widerspiegel in mir drin.

Mir ist mein Leben nicht mehr fremd
und alle Maße sind fast angemessen.
Nun seiest du mir mein letztes Hemd,
mein Lieb‘, mein Gut, meine Finessen.

Mir sind die altbekannten Wege neu,
deine Schritte kolorieren nun als Segen
alle gängigen Pfade ganz ohne Scheu.
Will mich in deinen Spuren hinbewegen.

 

Komm mit, komm mit…

Blaue Stunden umhüllen uns sachte und friedvoll. Trösten unsre wintermüden Augen und salben die nach Fülle darbende Seele mit diesem illustren Schein. Athmen sich tief in uns hinein und nehmen so unser Innerstes mit hinauf in die strahlende Kathedraligkeit. Noch singt der Wind seine sirrenden Choräle in das alte Ried, glänzen eisige Spiegel auf den müde sich dehnenden Wasserflächen. Doch das sich veränderne Licht bringt schimmernde Kunde von milderer Zeit. Die wässernen Spiegel necken uns blaupausig und die Bäume dunkeln ihr Geäst in den Spitzen, um bald, bald mit ihrem Grün dem blauen Baldachin zu huldigen. Ich erzähle Dir von den ersten Kiebitzen, die ich auf den sumpfigen Ederwiesen sah und Du lächelst mich wissend an. Komm mit, Komm mit flüsterst Du in den sinkenden Stunden, dann nimmst Du mich bei der Hand und wir strömen in das irisierende Blau.

Der Schneekönigin kaltes Zwinkern

Das träge Flügelschlagen des schwarzen Vogels hätte auch von großer Hitze kunden können und das flirrende Licht, das er querte, ebenso. Doch unser flacher Athem mit seinem Dunst und ein damit verbundener Bewegungsdrang waren fast Beweise genug für den endlich klirrend kalten Winter. Gestern Nacht hatten wir den strahlenden Orion bewundert, der triumphierend die schwangere Mondsichel über sich zu heben schien. Raus, nur raus, so raunten unsere wärmelahmen Körper in diesen lichten, bleuen Stunden und straften klamme Finger und tränendes Augenrund mitleidslos ab.

Unsere Füße tönten seltsam schöne Elegien auf den knirschenden Boden, Balladen des Winterglücks, die unsere Herzen heißblütig im Takt erfanden und subkutan die Noten weiter wärmend klingen ließen. Die Komposition aus Klarheit und Stille war just ein Wintertraum. Die stubenmüden Augen flossen uns über, Eiskristalle nisteten an unseren Lidern und nur die wärmende Fülle unseres gespeicherten Lachens bot augenwinkeligen Schutz vor der Schneekönigin kaltem Flirt. Und natürlich die Unermüdlichkeit unserer kardiagisch fleißigen Komponisten.

Abweisend kahlten Felsen in das Blau, umworben nur von schnell springenden Winden. Der Frost sprengte beflissen Risse durch die Ewigkeit in seinen ihm rar erscheinenden Stunden. Verwies alles Sein und Wachsen auf die hoffentlich kommende Zeit und wir wußten: Bald leuchten gelbe Sonnenküsse auf diesem harschen Stein und künden von der Linderung des Winters kaltem Husten. Das alte Lied machte uns lächeln, wir bewahren es in uns und geben es weiter mit jedem Moment unseres ahnenden Seins.

Auch des Flusses Herz strömte unermüdlich. Der schwarze Vogel war sein frequentierter Schatten und fing unsere wachen Sinne. Wir folgten ihm, bis ihn das bleierne Band des Stromes in sich barg und wandten uns wissend zueinander. Darf ich bitten, fragte dein winterklarer Blick und leise raunten meine Wimpern ein verneigendes Ja. Wir waren eine warme Insel inmitten der Winterpracht und so ganz stille Hitze in diesen kalten Februartagen. Vielleicht kündeten auch wir von wärmeren Zeiten und endlosem Licht. Genau in diesem einen Moment.