bittemito

Schreiben ist ein stetes Wundern

Schreiben ist ein stetes Wundern, ein Kopfschütteln über die Möglichkeit des Jonglierens mit Strichen, Bögen und punktuellen Variationen. Selbst wenn eine solche Buchstabenskulptur mal kauderwelschpurzelig sich selbst überschlägt.

Schreiben ist ein stetes Wundern, ein Seufzjuchzen über die Feinstgefährlichkeit des Balancierens auf diesem schmalen Silbenseil. Selbst wenn seitwärts besserwissertiefe Abgründe maulfaulig erscheinen.

Schreiben ist ein stetes Wundern, ein Zehenspitztanz zu den innersten wilden Melodeyen dessen die eigenen Sinne auf rissigen Blogplanken zu mazurkan so fähig sind. Selbst wenn ein Nörgelnagel apostrophisch sich spreizt.

Schreiben ist ein stetes Wundern, ein Herzschlagstottern über die Selbstseltsamkeit der Silbersilbenspuren, deren Folgen mitunter schlußendlich an nur dem einen denkbaren Ende sich manifestieren. Punkt.

 

schreibstube5

Und manchmal ruht das größte Wunder trautversteckt zwischen allen den hüpfjuchzenden und silbrigtanzenden Zeilen. Das Wunder namens Schweigen.

Der Sommer der Un-Möglichkeiten

Dieser Sommer war so unmöglich, dass er schier tatsächlich nicht möglich zu sein schien. Die sich auftuenden Möglichkeiten erschienen erschreckend schön und gleichzeitig voller möglicher Unwägbarkeiten, sie konnten sich nur im freien Handeln negieren. Und anschließend wieder positivieren. Falls so etwas wirklich möglich ist.

Mutanfälle wurden heftig gelöhnt aus Vermögen, welches keinesfalls mit monetärem Besitztum beinhaltet war; sondern mit ganz tiefer Liebe zu von Herzen erschaffener Habe. Doch dieser womögliche Verlust gebar wiederum neue Möglichkeiten. Aus Mögen entstanden horizontweite Blickigkeiten, die das Leben ungemein intensivierten.

Verletzungen konnten unmöglich verhindert werden und mit ihnen die bittere Erkenntnis eines Verrates, dessen Innewohnen in einem selbst in letzter Konsequenz nur zu offenbaren möglich war, weil die Selbstliebe endgültig in das Mögen investierte. Möglicherweise zum ersten Male in diesem Leben auf diese einzig radikale Art.

Es war ein Sommer der Un-Möglichkeiten, er kam spät, doch heftigzart in seiner Intensität. Zum ersten Male sehnte ich ihn mir unendlich herbei. Doch der Herbst hat wohlmögend seinen fühligen Staffelstab aufgenommen und läßt unmögliche Wunder weiter einfach als möglich erscheinen. Ich glaube an Wunder. Un-Möglich fest.

Herbstclematis

Flüsterschallwellenfühlen

Kaum hörbar dezibelen sich Kosesilben den alten Namen behutsam umbettend kopfseitmittig  in das Bewußtsein ein. Mehr athemahnend als lautsinnig addiert die zarte Ohroberfläche die leisen Laute zu diesem wandernden Streicheln und subkutant das entstandene Sanftbeben in sich hinein. Phone entsegmentieren sich und Konsonanten entwirbeln ihre Stimmstürme zu sachtem Hauchen. Innerkopfig stimmen die Synapsen sich ein, daraus einen Kanon entstehen zu lassen, der sich überlagernd nie enden möchte, während zarte Hauthügelchen wellend die gestreckten Halsflächen entlang bebend sich räuspern zu scheinen. Die inneraderigen Noten oktavieren sich tiefer und tiefer, queren sachte die Brust und bauchwärts bleibt ein sattes Brummen, gerade so als wäre man selbst ein vibrierender Klangkörper in diesem Momente geworden, ein einziges zartgespanntes Trommelfell. Ein Staunen ob des wohltuenden Echos, das dieser schier vergessene Name hinterläßt, quillt in mir leise auf und mit ihm salzgutes Augenwasser. Ich kann diesen Namen lieben. Und mit ihm dich. Flüsterschallwellenfühlend.

Vergehathemstillahnvollsinnaskese

Wohin sind alle die Worte gedräut, deren heilendes Anbranden so oft den wütendsten Kummer überflüsterte? Was ersetzt den labenden Schliff der gedrechselten Silben, dessen Notatieren stille Seufzer dünnlinig in wohles Lächeln wandelte und wie ersattet tropfengetränkte Schrift  an salztrockenem Krustpapier? Wessen dürstet der unsatte Blick, der im Neigen sich bescheiden müßte ob genossener füllhorniger Reizung. Dieses eine Augenpaar, war es dazu bestimmt, den Wimpernvorhang sachte zu senken und in Wissendfältchen sich zu legen gleich dem Abendgewölk am prächtigen Spätsommerhorizont? In wie vielen Farben kann die Seele stumm schwelgen und wer wöllte die Namen der Liebe aufzählen, die sich in schimmernden Tüchern einpupilliert? Wie lange wollen sich die Sinne askesen um im gefühlten Athemstillstand ihr ureigenes Ahnen zu erschweigen? Und wer vermochte diese Fragen je zu beantworten, der nicht selbst in achtender Tonlosigkeit jubiliert hätte? Wäre es nicht ein Vergehen wert?

Vergehen

Gedankenherzschlagfragengang

Ahnst du um die Fährten, die deine blanksohligen Spuren auf graustumpfen Asphalt hinterlassen können? Weißt du von dem flüsterndem Echo deiner stillen Fragen, das tausendbefacht sich Gehör verschaffen wird? Spürst du den bebenden Herzschlag, dessen Gleichklang marode Brücken zu zerbersten vermag? Und beseelt dich nicht die Lust der freiheitlichen Gedanken, die du auszutauschen befähigt bist? Dann komme doch einfach mit:

Demo Berlin

Hinterlege deine sachten Spuren, stelle deine dringenden Fragen, fühle dein suchendes Herz und nutze die Freiheit deiner Gedanken. Du bist keineswegs allein. Genau wie ich.

7 Großdemonstrationen, 1 bestimmt in deiner Nähe

Sage mir, Liebste, wieviel Leben…

Sage mir, Liebste, wieviel Leben willst Du lieben?

Ach, Liebster, alle Leben will ich lieben! Das erwachende, kalttauige des Lenzens, wo erste Triebe sich regen und Reinheit ihren zarten Schleier über den Rest der Vergangenheit legt. In dem kalte Schauer mahnend nur die Haut aufwellen lassen und dadurch die Gefühle erhitzen in ihrem verwirrendem Sehnen nach Erneuerung.

Das sommerflirrende Leben, welches die Sinne narren möchte vor Glück und in dem mancher Seufzer den spiraligen Glückstönen der Feldlerche gleicht, auch das will ich vollens lieben. Nachtfunkelndes Murmeln und satte Hautmüdigkeit, das volle Odeur von inniger Seeligkeit des leichten Seins.

Wie könnte ich ohne die satte Zufriedenheit des Herbstes sein? Erntezeit und das Besinnen auf Reife liebe ich genauso sehr. Tiefes Licht und Abschiedsgrüße begleiten eine Melancholie, deren ureigene Schönheit die Sinnlichkeit befeuert, Ameisenköniginnen tanzen ihre Krönung gleich mir.

Winterleben, es ist mir so nah und vertraut, ich fühlte es schon tausendfach. Alle Rotwangenseufzer zu beschreiben gleicht einem Ewigunterfangen. Diese Liebe ruht in sich selbst und gleicht doch den stets wandelbaren Kristallgefügen dieser stillen Zeit. Kalt und warm so nahe, wie an kaum anderen Tagen.

Liebster, alle diese Leben will ich lieben und jedes besingen, wie es ihm zusteht. Du kannst mich hören und tanzen sehen, immer wenn Du mit mir bist.

Aber sage mir, Liebste, wieviel Liebe willst Du leben?

Wieviel Liebe? Eine, Liebster, eine. Die Liebe, die alles Leben und Sein achtsam umschließt.

Verwegene Verse XXXIII

Ich küsste mal einen Herren aus Grimma*,

dachte ich, doch es war viel schlimmer!

Der Herr war sogar richtig vergrimmt,

was eigentlich auch nicht ganz stimmt.

Er war zornig, wütend und sogar böse.

Ich küßte ihn mit Krachknutschgetöse

…, allein, die Vergrimmung, die blieb.

Ich bewisperte ihn zärtlich und lieb,

bis er steinhart mir zu werden deuchte.

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Doch für umme das Feinstkußbefeuchte!

Er wurde zwar härter,

doch nur um die Bärter,

die Lust mir flugs entfleuchte.

Knoblochkuss

Und die Moral von der Geschichte?

Grimmige Männer sind nicht ganz dichte,

wenn Küsse nicht ihren Stein erweichen

und Liebe, Mut & Lust nicht gereichen,

gereicht wohl fast nichts mehr ihnen,

außer dem blinden Haß zu dienen.

Mehr küssen und lieben ist das Gebot der Zeit.

Biste dabei? Ich wäre soweit…

Das gilt natürlich auch für harsche Damen,

drum laßt uns auch die küssend umarmen.

Wildeste Knutschereyen oder stummes Lieben

hat schon immer Hass und Grimm vertrieben.

* Ich bitte um Entschuldung, falls ich Herren aus Grimma hiermit verletzte und gelobe lieblichste Vergeltung rein kußtechnisch natürlich…

Warnung! Neues Trendspiel macht süchtig!

Wie aus gut unterrichteten Kriesen, aus erster Hand kwasi, mitgeteilt wurde, entstand in den Räumen eines als Floratelier getarnten Lachzentrums ein neues Spiel, welches hochgradiges Suchtpotenzial in sich birgt. Gespielt wird mit absurd bunten Figuren, die mit der elektronischen Handfessel aufgenommen werden sollen. Durch die Integration dieser Spielfiguren mit der realen Welt entsteht ein ganz neues Spielvergnügen und alsbald wird der so in den Bann gezogene Spieler kaum noch seine Umwelt wahrnehmen. Albernes Kichern unterbindet jede Kommunikation mit seinen Mitmenschen und Haltungsfehler durch den ständig nach unten gebeugten Nacken sind gefährliche Folgeerscheinungen. Darum erfolgt diese Wahrnung:

Verfallen Sie nicht dem gefährlichen Spiel PickermanGo©! Söllten Ihnen solche Spielfiguren angetragen werden, empfehlen wir Ihnen strikte Ablehnung, wenn Sie eine bekannte Lachschwäche haben. PickermanGo© macht Sie schneller abhängig, als Sie PickermanGo© sagen können! Halten Sie besonders Kinder und kindgebliebene Erwachsene fern von PickermanGo© , die anerkannte Affinität zum analogen Vergnügen haben! Um die Gefährlichkeit von PickermanGo© zu demonstrieren zeigen wir einen heimlich aufgenommenen Film aus dem besagten Lachzentrum, welches als Brutstätte von derlei Unsinn wie PickermanGo© gilt. Obacht: Film ab!

Unbeschadet überstanden? Dann klicken Sie keines Falles auf erneutes Abspielen, denn so beginnt eine jede Sucht! Danke für Ihre Aufmerksamkeit und pickemannen Sie gut auf sich… Oh!Go! Ähem, no…

Propulsprontopasodoble

Kalligraphierte Momente wellen sich gleich warmweichen Wanderdünen unterhäutig durch eigentlich so vertraut bekanntes Terrain. Umschmeicheln sanftpulsend gewohnte Empfindungen, die seit langem  in inneren Herzenskammern ruhen. Wecken sie auf und erzählen flüsternd von ganz besonderen Alltäglichkeiten. Von einem Blick, der tief sich einpupilliert, bis der Wimpernvorhang ein aufwasserndes Verschwimmen sachte verbirgt. Von den raschelnden Begegnungen feinstgewebter Stofflichkeiten, die einander ihre Wahrhaftigkeit beweisen wollen und von kühlwarmen Hautberührungen, die prickelpudrig an das Entzücken von brausepulverigem Vergnügen erinnern, nur eben wieder und wieder aufregend fast wie subkutan verabreicht. Edelweißige Samtigkeit umstolat bebende Schulterblätter und Wirbel entsinnen sich ihrer benamsten Lebendigkeit. Zufällig absichtlich und gezielt versehentlich entsteht so ein ganz eigener Gefühlsreigen, ein Sinnentanz, der Herz und Bauch und Kopf gleichtaktet. Pro Pulsschlag prompt doppelschrittig.

In keinem Tod ist Schönheit mehr zu sehen

Die Flucht aus den von Nachrichten verseuchten Zimmern ist eine allgegenwärtige. So viele Mahre schon hocken in den Ecken und warten geifernd auf ihre Chance, sich in die blutbesudelte Brust zu werfen und weiter gräßlich zu schrecken. Ans Licht, an die Luft, in die wildnatürliche Schönheit des friedlichen Gartens! Würziger Thymian, herber Hopfen, der zarte Duft der Rosen, üppige Wickensüße und Schwaden der anderen vielen Kräuter beruhigen als erstes die Nase.

Gegen die Sonne blinzelnd taumeln sich Schmetterlinge in den Blick, Hummeln bombardieren förmlich die üppige Blütenpracht und Bienen befleißigen sich. Langsam vertikalisiert sich der Athem und Frieden will sich subkutan einsäen lassen. Zwischen dem Zirpen der Grillen und einzelndem Vogeljuchzen fiept ein Ton sich ein wie ein Klagen. Ich weiß ihn der Amsel zuzuordnen, es ist der seltenste, den man zu hören kriegt. Ein Ton nur aus der ganzen oktavischen Bandbreite, dessen einzelne Bedeutung für uns Menschen wohl nicht wirklich greifbar ist.

Diesem Tone folgend schrecke ich an der Giebelseite eine Amsel, schimpfend fliegt sie auf und bleibt dann zaunwärts hocken. Still äugend nun. Auf dem Weg vor mir liegt ein Federbündel. Ich beuge die Knie und schaue genauer hin, während mein Herz schon zu klagen beginnt. Ein Jungvogel, die Schwingen und Schwanzfedern schon erwachsen, doch der Flaum wundersam getupft. Reglos, nur der Sommerwind spielt mit den zarten Federn. Die Augen gebrochen. Die Wärme des kleinen Körpers kriecht in meine immerkühlen Hände.

Ich schaue augenwassernd auf, die blanke Scheibe des Oberfensters hat einen blassen Fleck und zwei,drei Federchen kleben fest. Es ist nicht mein Fenster, doch das ist egal, es ist Menschenschuld, die hier ein Leben beendete. Also auch die meine. Ich bitte um Entschuldung, während ich das zarte Dingelchen streichele, sein Köpfchen halte und gegen mein Wissen Hoffnung hege. Bette es auf Grün und warte. Schaue und sehe erstmals bewußt die unglaubliche Schönheit des kleinen Wunders. Ich muß sie erfassen, halten und hole die Kamera, bevor ich es der Erde übergebe. Den Rest des Beitrags lesen »