bittemito

Tag: Anklage

Am seidenen Faden hängt zitternd mein Herz

Sensilibität ist es, die fehlt. Sensibilität im Umgang miteinander und vor allem in dem Konsum meinungsbildener Medien. Das war schon vor der Pandemie so und wird durch sie nur noch deutlicher. Weil Angst unsensibel macht. Wer sich ängstigt (und es ist sekundär, ob diese Angst tatsächlich begründet ist), sorgt sich nicht zartfühlend, sondern spielt Hau-Den-Lukas als wäre er auf der Kirmes. Hau drauf. Hinterfragen und vielleicht ein behutsames Einfühlen in die Sichtweise eines anderen scheint unmöglich.

Dabei gelingt es ja und manchmal erscheint es im Alltag wie selbstverständlich. Ein Lächeln in den Augen, eine einladene Geste mit den Händen oder einfach ein kurzes Abwarten entzerrt viele schräge Situationen. Und die unentzerrbaren können wir durchaus einfach mal so stehen lassen. Auch virtuell. Das ist aus Selbstschutz vielleicht sogar die bessere Entscheidung Denn wir alle haben ein Herz, das zitternd am seidenen Faden hängt. Passen wir gut darauf auf. Es ist kostbar.

Pupillenpurzelbaumportrait

Wenn die Welt Kopf steht, ist eine eigene Ansicht unumgänglich.

 

 

Schwarzweißunddasdazwischen

Die Beeindruckung der gestrig teilweise begleiteten Demonstration bleibt. Nachhaltig. Es ist wie ein begeisterter Spiegelblick, ein erkennendes Jugendbild. Transformiert in andere Zeiten. Die weder besser, noch schlechter sind. Schwarz- und Weißmaler haben schon seit jeher alle Farbtöne dazwischen vergessen.

Der Stream ist mit allen Pannen und Patzern online gestellt, das kann man sich nämlich auch mal trauen. Realität statt Schönfärberei und Augengewische. Für Schnellgucker empfehle ich tatsächlich die Tagesschau (Das hätte ich von mir selbst nie gedacht!). Dieser Beitrag ist ein Lehrstück in Sachen Medienkompetenz und Leitmediendienertum. Ich suche jetzt nochmal nach den Neuruppiner Schülern, deren Projekt beschäftigt mich. Es fühlt sich an wie selbstbedruckte Shirts mutig unter dem FDJ-Hemd zu tragen.

Nochaltlastablegenotatecho

Diese Freude beim Anblick eines kleinen Fitzelchens alter Tapete, chic durch die Jahre in unsere Zeit gefallen, der ein leises Bedauern folgt. Die marode Wand anbei mitsamt unnützem Ofenrohr bedarf einer Neuverputzung. Wenigstens lichbildnerisch bleibt sie erhalten. Nochaltlastablegenotat.

Und dann ist da noch dieser vermaledeite Einbauschrank. Eine ganze Zimmerseite massiv verholzt. Überlegungen zur eventuellen Nutzung weiterhin. Überstreichen? Teilweise stehen lassen? Nein, das Ungetüm kommt weg. Und wieder bebt das Haus vor Hammerschlägen.

Dann plötzlich Stille. Staunen und anwellende Freude fluten Auge und Herz. Vorsichtiger tönen nun die Arbeitsgeräusche. Die Flut steigt bis zum Gewißheitsdeich, brandet jubilierend an: Was an anderer Stelle nur ein Fitzelchen war, überdauerte hinterschrankig circa sechzig Jahre an einer ganzen Wand.

 

Nochaltlastablegenotat

Man kann die Zeit auch nutzen und sich an alte Lasten wagen. Schicht um Schicht zum Kern der Dinge sich arbeiten und unter all dem Dreck und Unrat Augenfreuden erkennen.