bittemito

Tag: Hingabe

Libellenschwebeseidenstil

Tarsun spricht durch ihre Hände. Manchmal kann ich sie sogar verstehen. Die Laute, die ihren Mund verlassen sind nur in der Intensität deutbar. Ein kehliges Lachen, kurz ausgehustet wie ein eigentliches Verschluckgeräusch; läßt mich erleichtert mitlachen. Es bedeutet für uns beide, diesen kleinen Moment ist alles gut. Schon Zeitchen später will ihr kleines Gesicht in Verzweiflung welken. Und ihr Mund kann nur noch Schrei sein.

Tarsun spricht durch ihre Hände. Zeigend sprossen ihre geschlossenen Finger durch unsere Zweisamkeit. Meist folgt sie ihrer ganz eigenen Choreographie, ich staune stumm. Dreht sie die Handfläche in der Bewegung öffnend zu mir hin, möchte sie etwas haben. Nur um es eventuell abrupt abzulehnen. Ein Schrei und dann müde Verzweiflung. Doch nicht immer. Ich lerne von Tarsun, noch genauer hinzusehen.

Tarsun spricht durch ihre Hände. Sie hat feingliedrige, zarte Finger, die wie Libellen schweben können und eine fünfzigjährige Haut aus Seide. Wie immer warme Kinderhände. Manchmal legte sie diese wie zur Ruhe in die meinen. Derzeit nicht. Ich trage Handschuhe, das irritiert sie sichtlich. Manchmal quittiert sie mein Gesinge und Gemurmel unter der Maske mit Handgeflatter. Libellenpanik. Dann halte ich inne und sehe weiter hin.

Tarsun spricht durch ihre Hände. Ich will weiter lernen, ihre Sprache zu verstehen. Der Libellen schwebender Stil ist von seidiger Vergänglichkeit.

Und manchmal muß es einfach bunt sein

Manchmal muß es einfach bunt sein. Dann leuchten kleine Sonnen aus Nelkenwurz über dem Boogie-Woogie von Edel- und Christrose in flottem Orangehellgrüngewimmel. Kängurupfötchen geben begeistert den Takt an. Maiglöckchenblätter bitten frische Efeutriebe zum grünen Reigen und Rosmarin liebäugelt mit flatterigem Eukalyptus. Ein weißes Allium tändelt mit der Alstromerie, die in Purpur bald leuchtet. Das Zittergras schüttelt sich vor Begeisterung ob des bunten Treibens und kitzelt dabei den ergrauten Wollziest, der gerade der errötenden Kartheusernelke den Hof machen wollte. Ich schaue lachend das Farbgewusel und halte es für einen Moment fest.

Traumblauglockenbaum

Wenige Blüten nur zeigen die sonst blaulila Wolken bildenden Bäume dieses Jahr. Wir sahen auch schon ganz dürre, eingepflastert im Stadtgeviert. Den großen lebensspendenden Strom in Spürweite. Die uns liebsten in den Weinbergen sind wenigstens noch belaubt, aber Blüten sind rar. Wo sonst Dolden leuchteten, schimmern nur einzelne Kleinode. Zu unseren Füßen liegen welke blaue Glocken. Als hätten Elfen beim Tanze ihre Röckchen verloren. Wir heben einige auf, der Duft weckt Erinnerungen und läßt Augenwasser aufsteigen. Zuhause fülle ich eine Handbreit Wasser in ein Glas und stelle die Glöckchen aufrecht hinein. Seit Tagen flutet nun Blauglockenbaumduft unseren Lebensraum. Und wir träumen uns in ferne Zeiten.

 

 

Obsoletphotographiepanorama

Sich in alte Photographien fallen lassen. Den Farben nachspüren und Stofflichkeiten mit den Pupillen ertasten. Die Stimmung subkutan aufnehmen. Dem Frieden inmitten arbeitsamer Betätigung gewahr werden. Floralnamen flüstern und deren Nimbus erkennend fühlen. Erinnerungen sind in Freude gewoben. Sie sind leise Gesänge aus Tagen, die in gleichen Tönen komponiert worden sind. Und dann die warme Ahnung um kommende Bilder in diesen Farben der Renaissance. Mit ihr flutet der Dank für mehr als das bloße Abbild meine Pupillen.

 

Licht und Schatten

Das uns ständig umgebende Licht muß sich bisweilen in Schatten manifestieren, damit wir es schätzen können. Die Beständigkeit setzen wir voraus, dunkle Manifeste jedoch fürchten wir. Es liegt an unserer Ein-Schätzung, in welche Waagschale wir unsere Seelengulden legen.