bittemito

Tag: Knoblochverpilcherung

Der Sommer der Un-Möglichkeiten

Dieser Sommer war so unmöglich, dass er schier tatsächlich nicht möglich zu sein schien. Die sich auftuenden Möglichkeiten erschienen erschreckend schön und gleichzeitig voller möglicher Unwägbarkeiten, sie konnten sich nur im freien Handeln negieren. Und anschließend wieder positivieren. Falls so etwas wirklich möglich ist.

Mutanfälle wurden heftig gelöhnt aus Vermögen, welches keinesfalls mit monetärem Besitztum beinhaltet war; sondern mit ganz tiefer Liebe zu von Herzen erschaffener Habe. Doch dieser womögliche Verlust gebar wiederum neue Möglichkeiten. Aus Mögen entstanden horizontweite Blickigkeiten, die das Leben ungemein intensivierten.

Verletzungen konnten unmöglich verhindert werden und mit ihnen die bittere Erkenntnis eines Verrates, dessen Innewohnen in einem selbst in letzter Konsequenz nur zu offenbaren möglich war, weil die Selbstliebe endgültig in das Mögen investierte. Möglicherweise zum ersten Male in diesem Leben auf diese einzig radikale Art.

Es war ein Sommer der Un-Möglichkeiten, er kam spät, doch heftigzart in seiner Intensität. Zum ersten Male sehnte ich ihn mir unendlich herbei. Doch der Herbst hat wohlmögend seinen fühligen Staffelstab aufgenommen und läßt unmögliche Wunder weiter einfach als möglich erscheinen. Ich glaube an Wunder. Un-Möglich fest.

Herbstclematis

Vergehathemstillahnvollsinnaskese

Wohin sind alle die Worte gedräut, deren heilendes Anbranden so oft den wütendsten Kummer überflüsterte? Was ersetzt den labenden Schliff der gedrechselten Silben, dessen Notatieren stille Seufzer dünnlinig in wohles Lächeln wandelte und wie ersattet tropfengetränkte Schrift  an salztrockenem Krustpapier? Wessen dürstet der unsatte Blick, der im Neigen sich bescheiden müßte ob genossener füllhorniger Reizung. Dieses eine Augenpaar, war es dazu bestimmt, den Wimpernvorhang sachte zu senken und in Wissendfältchen sich zu legen gleich dem Abendgewölk am prächtigen Spätsommerhorizont? In wie vielen Farben kann die Seele stumm schwelgen und wer wöllte die Namen der Liebe aufzählen, die sich in schimmernden Tüchern einpupilliert? Wie lange wollen sich die Sinne askesen um im gefühlten Athemstillstand ihr ureigenes Ahnen zu erschweigen? Und wer vermochte diese Fragen je zu beantworten, der nicht selbst in achtender Tonlosigkeit jubiliert hätte? Wäre es nicht ein Vergehen wert?

Vergehen

Glühlichtleuchtgesichterglück

Und dann ist es vermeintlich vorbei. Der Rausch, das Toben und Springen. Das Licht glimmt gleichmäßig, alle Grelligkeit und Dunkelschweberey der begleitenden Show geht in ihm ineinander auf. Kein Bass mehr, der die Waden federt, keine Punksilbe die man grölend erwidert und kein Schlagzeug, das den Nacken beugt. Statt dessen sanftes Ausklingen und die Euphorieschreie schlagen um in leises Murmeln. Der Moshpit lichtet sich und dieser pulsende Organismus aus Menschenleibern zerfällt in hunderte Menschenseelchen. Man könnte sehen, wie unterschiedlich so eine fragile Masse zusammengesetzt ist und hat doch nur für eines den Blick: Für das glühende Leuchten, das so licht vom puren Glück in diesen Gesichtern erzählt. Für einen ewigkurzen Moment ist da nur reines Glück und dieses Leuchten erwidert sich. Läßt sich in tätowierte Arme fallen und tauscht nasse Küsse. Hünen schütteln sich schulterwärts gegenseitig und Zarthände treffen auf Pranken. Nochmütchenkühler heben sich gegenseitig gen Himmel und wieder und wieder dieses pupillengetauschte Leuchten. Fremdnahmenschen für genau dieses gemeinsame Erleben in dem die Welt eine gute ist, obgleich sie so martialisch erscheinen mag. Wer mag hier Schön oder Häßlich beschubladen? Das strahlende Glück macht alle gleich. Das nächste Bier wird geteilt und die ersten reiben sich erstaunt an wunden Körperstellen. Schmerz? Ja, klar, aber ein so guttuender, daß seine Male noch lange halten mögen. Das geteilte Glück bleibt eh bei jeder erneuten belauschlappter Erinnerung innendrinnig beschatzt. Und glüht nach.

Rastersoaufdurchrastlosfrage

Und du mein taumelnder Freund, wie geschieht dir eigentlich? Rast so suchend drauflos auf dieses starrgleiche Raster. Alles eins, alles deins und doch so lückenhaft haltend. Drunter irgendwann dann die unvermeidliche Kloake, weil du durch dieses Raster nur fallen kannst. Dein Sein und Samen rastlos verschwendet. Deine Narben erzählen vom ewig gleichen harschen Aufprall. Dein Raster muß doch nur von Zarthand verschoben werden, um nicht wieder und wieder der Grund deines Scheiterns zu sein. Ein klein wenig neigen, so der Rat, anlehnend innehalten. Das geht, solche Wunder geschehen. Woher ich das weiß, fragst du zweifelnd. Ich habe es selbst erlebt. Kannst dann vielleicht ein Zeitchen ruhen und dich in deinem Sein bewahren lassen. Wenn du das möchtest, mein rastloser Freund…

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Marktplatz 7, Perle des Kochertals

Die Hohenloher Ebene hatte uns zuletzt friedvoll müde gemacht. Langenburg war ausgebucht an bezahlbaren Zimmern, man empfahl uns, die Jagst talig zu queren, noch einmal die Ebene zu passieren und dann ins Kochertal hinab zu fahren. Da gebe es weitere kleine Gasthöfe mit Fremdenzimmern. Und so steuerten wir den himmelblauen Trabant meiner Freundin den empfohlenen Straßen nach. Es war 1990 und wir befanden uns auf der Zielgraden einer langen Abenteuerreise, aber das wußten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Wochenlang reisten wir durch die für uns neuen Bundesländer im Süden. Arbeitssuchend und neugierfrönend gleichermaßen. Blieben ein paar Tage, wo es uns gefiel und nahmen jedwede Arbeit an. Gönnten uns Übernachtungen oder schliefen kaputt im Trabbi ein. Ließen uns aushalten oder halfen für umme einer Gastgeberin im Haushalt. Erhielten Bleibeangebote und verliebten uns sogar. Doch immer wollten wir noch ein Stückchen weiter. Die ganze Geschichte kann ich nicht alleine erzählen, ich warte, bis ich meine Freundin eines Tages wiedersehe.

An diesem Abend fuhren wir also schlußendlich die serpentinige Straße gen Kochertal hinunter. Erste Häuser klebten am Hange und leuchteten warm in der spätsommerigen Dämmerung. Immer dichter zeigte sich die Besiedlung und im Ortskern präsentierten sich hübsche Fachwerkhäuschen und lebendiges Sein. Der „Löwen“ war gut besucht und wir hungrig wie ebensolche. Erstmal was essen und dann um Übernachtung kümmern, so die Devise. Zur Not tat es in den lauen Nächten noch einmal das Pappautomobil. Doch wir bekamen zunächst die ersten Käsespätzle unseres Lebens, woraus eine Ewigliebe wurde und dann ein preiswertes Zimmer. Wir beschlossen ein Weilchen zu bleiben.

Aus dem Weilchen wurden für mich 4 fantastische Jahre und das Dörfchen zu meiner ersten westdeutschen Heimat. Viele wichtige Entscheidungen traf ich dort und begegnete einigen Menschen, die mithalfen, die Weichen meines weiteren Weges festzustellen. Marktplatz 7, das Dachkämmerchen für uns zwei, der Schlusspunkt unserer gemeinsamen Reise. Alleine zogen wir dann weiter, ich zunächst nur talwärts ein Stückchen und wohin es Dich getrieben hat, das weiß ich nicht. Ich denke oft an Dich und ganz besonders heute.

Fassungslos schaue ich die Bilder und verwackelten Filmchen, die bezeugen, was meine Ohren sich weigerten aufzunehmen. Die Perle des Kochertals, eine meiner Heimaten ist teilweise unter Schutt begraben. Ich sehe die Häuser, erkenne sie wieder und das eine Foto vom Dachkammerzuhause läßt endgültig Tränen fließen. Selbst bei jedem unterm Geröll und Schlamm erkennbaren Autokennzeichen, quält sich ein Schluchzen die Brust hinauf. Wie ein Wunder erscheint es mir, keine Opfer in den tosenden Dreckmassen, keine Verletzte, so das Haller Tagblatt. Mein Denken und Bitten fliegt gen Braunsbach und mit ihnen meine hoffende Kraft.