bittemito

Tag: Müßiggang

Vor einem Jahr ~~~ April

Vom fernen Weh und naher Freude:

Der letztjährige April war ein verfrühter Sommermonat. Zu warm, zu trocken und doch genau richtig für uns im ersten Jahr der Pandemie. Er brachte Leichtigkeit in das beschränkte, ungewohnte Dasein. Nach der ersten Isolation führten uns alle Wege zum Fluß unterm lichten Blau. Manche Angst und Sorge verwoben sich in dem azulnen Baldachin und wurden so schwebend leichter. Der große Altstrom, obgleich viel zu ausgedünnt; nahm die gewichtigeren Nöte von uns. Rollte sie zu unseren Füßen bedächtig hin und her und schliff sie fein und flach. Gab sie uns wieder in zaubrischer Form. Als Flipflitschsteine ließen wir sie tanzen und fanden dadurch wieder Leichtigkeit.

Unser fernes Weh enterte die vorbeifahrenden Schiffe, die nahmen es bereitwillig mit in diverse Häfen. Wir blieben weiter zu Hause. Und sind noch immer da. Nah und voller Freude.

Schneemanngezwinker

Heute hat sich eine feine Schicht zarter Kristalle über das Land gelegt. Eine Schneestola nur, so fein gewebt, ein Windhauch könnte sie verwehen. Und doch brachte sie freundliche Ruhe. Besengeräusche, so sachte wie Pinselstriche auf Seidenpapier beschmeichelten unsere Ohren. Kein harsches Gekratze oder gar mobiles Fegegetöse rückten dem bißchen Geflock auf den glitzernden Leib. Lange spazierten wir über die ruhenden Felder, beäugten Spuren, die nur der Schnee für uns sichtbar machte. Dachten auch an Spiele früherer Zeiten. Erinnerndes Schneemann-, Schlitten- und gar Eisschuh-Lächeln zierte unsere Gesichter. Zeitchen später haben wir dann vor Freude gelacht. Jemand hat auf jemandes Automobil ein Schneemännchen gesetzt.

Noch ein Zeitchen später ging ich, es näher abzulichten. Da hatte das Schneemännchen bereits seine Astärmchen verloren. Sachte vor sich hintröpfelnd schmolz es dahin. Doch mit seinen Moosaugen hat es mir zugezwinkert.

Des Nächtens schaute ich nochmal nach ihm. Arg ausgedünnt doch wacker stand es auf dem geparkten Automobil. Ein Lächeln aus Mut nahm ich mit in die Nacht. Und ein moosäugiges Zwinkern. Zwei gute Sachen in dieser Zeit. Das ist ganz schön viel.

Die Schönheit der Vergänglichkeit

Es ist eine eigene Schönheit im Vergehen. Was einst anmutig und rein sein durfte, erfährt eine sanfte Welke. Der Duft wird mild und herber zugleich. Strukturen verlassen ihre Ebene und Adern wechseln die perspektivische Sicht. Täler aus Licht werden blicklich geflutet und Firste dunkeln sich im Ebenmaß. Ein zartes Stauben über alledem möchte nicht im Auge sich zerreiben, sondern die ganze Glorie weitergeben. Die Schönheit der Vergänglichkeit.

Regenkonzertdankesrevue

Vielleicht ist applaudierender Regen einer, der sich zunächst anzagt. Ein Tropfen möchte der Auslöser sein für frenetisches Geprassel. Ein anderer ebenso, und auch der eine Reihe weiter im graugekuppelten Konzertsaal will sich vernehmbar machen. Wir in der Loge der Heimeligkeit schauen beeindruckt und murmeln nur begeistert mit im Takt. Dann tönt das erste Bravoprasseln fensterig an und einzelne Dacapotropfen platschen stimmig ineinander, so dass bald ein Rausch sich manifestiert. Der wird zum Rauschen und wogt sich so sanft applaudierend herzwärts in uns hinein.

Roooooaaaarrrrr!

Schon als Kind war ich von diesen Blumen fasziniert. Es gab die wilden gelben Minilöwenmäulchen, zart mußte man mit ihnen sein, sonst klappte keine Löwenmaulerei. Und in den Bauerngärten des Heimatdorfes, wo Zäune selten waren, da rudelten die großen, stolzen Mäuler kunterbunt. „Roooaaaarrrr“ wurde da eifrig intoniert und ein hungriger Löwe, ein roter womöglich, biss in einen Kleinmädchenfinger.