bittemito

Tag: Nackenschalkerey

Adventspezialansinnenappetenz

‚~~~Hiermit, Sie oberallerfingerfertige Blumenverwandlerin, bestelle ich einen Adventskranz gebunden aus Rosmarinzweigen und Feigenästen. Umwunden mit goldenen Seidenfäden, Hagebuttenstängelchen und Zanderflossen. Aufgehängt an Saffianfäden mit Schleifen aus Färberweid. Und nichts weniger. Und keine Kerzen, bitte schön.~~~‘

Zeitchen zuvor wurde mir dieser Wunsch von einem hochwertgeschätzten Herrn mit Hut angetragen. Natürlich eilte ich röckeraffend solch hohes Begehr zu erfüllen. Was mir auch fast gelang. Kein Zander gab freiwillig seine Flossen dafür her, was ich tiefherzig verstehe. Und auf Schleifen verzichtete ich aufgrund einer temporären Scheißschleifchenscheu.

Stattdessen fügte ich einheimisches Gehölz hinzu und als besonderes Kleinod meiner Wertschätzung eine kostbare Feder vom blauen Vogel der Glückseeligkeit. Rotbackenäpfelchen zieren den Kranz ebenso wie sie dem Pragmatiker als Wegzehrung dienen können. Die Feigen hingegen müßten noch mehr Sonne atmen für treffliche Verzehrbarkeit.

 

Allen Buchstabenballerinen und Letterngesellen wünsche ich einen ruhigen und friedlichen Advent. Besinnen wir uns auf unsere ureigene Kostbarkeit und dass dies uns manchmal zur Genüge reicht. Ein paar gute Worte, ein Lächeln, das in Pupillen schimmert und eine stille Dankbarkeit. So wunderbar gewichtig leicht.

Roooooaaaarrrrr!

Schon als Kind war ich von diesen Blumen fasziniert. Es gab die wilden gelben Minilöwenmäulchen, zart mußte man mit ihnen sein, sonst klappte keine Löwenmaulerei. Und in den Bauerngärten des Heimatdorfes, wo Zäune selten waren, da rudelten die großen, stolzen Mäuler kunterbunt. „Roooaaaarrrr“ wurde da eifrig intoniert und ein hungriger Löwe, ein roter womöglich, biss in einen Kleinmädchenfinger.

Tausendnämchennomenklatur

Deine Namen sind unzählbar, du wundersames Tausendschön. Bist wacker unschlagbar auf hart umkämpften Rasenarenen, Konrädchen mein. Als Marienblömchen wird dir gehuldigt und wieviele Mädchenschöpfe magst du schon als Maddeseblümchen bekränzt haben. Warst nicht nur eines Herzens Liebchen, nein, viele maßen ihr Glück an deinen Blütenblättern ab. Massliebchen fein. Tausendtschintscher wirst du auch genannt, der Name läßt die Gänseblümchenwiesen hurtig auferstehen. Schau mal, die Angeblümelein, wie sind die tausendschön~~~

 

Blattbreviere und Blütenepisoden

Vor den frühen Blättern des Bärlauchs haben wir uns gebeugt, es war noch kühl und der Duft eine Verheißung. Die meistens haben wir flinkfingerig eingefangen und in Butterkissen gebettet.

Etliche drehten mit Walnussstatisten bei goldenem Ölhorizont eine heisse Westernparodie, die anwesenden Parmesanspänchen sanken nur so zart schmelzend dahin. Pestoitalianowestern.

Jetzt leuchten uns tausend Bärlauchsternchen in der Dämmerung, kleine Feuerwerke in Bodennähe. Und wieder beugen wir unsere Knie, um sie zu huldigen. Ein paar nehme ich mit hinein.

Auch andere, inzwischen sich wölbende grüne Verheißungen nehme ich mit. Deren Duft ergibt sich in heißen Wassern zu vollmundigem Tee. Schmecken nach minzigen Frühsommerküssen und Melissenflirt.

Blattbreviere und Blütenepisoden, alles hat seine wohlfeile Zeit. Glücklich, wer um diese weiß.

 

Der Schatz am Ende des Regenbogens

Und wer sagt denn, daß ein Schatz aus Münzen, Geschmeide oder Edelsteinen bestehen muß? Ich kenne Kleinode, die deren Schönheit bei weitem überstrahlen. Die den Pupillen schmeicheln, statt sie in Gier aufleuchten zu lassen. Die zudem noch andere Sinne verführen und uns seufzend machen vor Seeligkeit bei ihrem Anblick.

Heute Nacht hat unser Leprechaun uns so einen Schatztopf in die Stube gestellt. Am Ende eines innerhäusigen Regenbogens. Wie reich wir doch sind~~~