bittemito

Tag: Neugier

Seelengoldsilberglanzbronzelichtglück

Die Sonnenmilde schattierter Hochsommertage manifestiert sich in sachtem Bronze auf meiner Haut. Silbermondend schimmernd changieren launachtsgleich die feinen Härchen darin. Subkutan entsteht ein Diarium voller Wärmeromanzen, Sonnensujets, Lichtepisoden und Nobelnovellen. In mir werden Leichtigkeitseskapaden gewichtig und manches Kummermotiv federleichtet sich mit dem steigenden Gesang der Lerchen über den flirrenden Feldern. Ich notatiere unbewußt und entwerfe so nach innen lauschend mein ganz eigenes Bewußtseinsbrevier. Bronze und Silber auf meiner Haut. Gold in meiner Seele.

Und meine Seele im abendleuchtroten Kleid tanzte sich unter azurnen Baldachinen reich. Mit Freunden und Fremden, die Freunde werden können. So viel Goldsilberglanzbronzelichtglück.

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Lustbarkeitsschaluppenjubelillusion

Hätte, hätte, Ankerkette! Der alte Kahn knarzte unwirsch bei dem Gedanken daran, was alles aus ihm hätte werden können. Stattdessen moderte er hier als Landratte vor sich hin. Zillenmimikry statt Wonnegondel. Ach, was für ein Verhachungsnachen hätte er doch sein können! Sanft auf Glitzerwellen sich wiegen, vielleicht ’nen schnieken Anstrich in bleu. Oder meerjungfrauengrün. Frischholzbronzen! Die Vorstellung ließ ihn anwellend schaudern. Sanft lösten sich weitere Farbpartikel aus seinem maroden Rumpf. Ein Gutelaunenauen, eine Lustbarkeitsschaluppe oder eine Jubelbarke gar! Eine Spaßbarkasse… Ach, fast nicht auszudenken wären die Vergnüglichkeiten, die mit ihm stattfinden würden und manchmal bei Mondenschein, da würden vielleicht Liebende in seinem schwankenden Schutz zueinander fließen, so wie alle Zeit in Einigkeit zusammenströmt. Eine Juchzjolle wäre er dann, die Nummer Sechs der Kurparkkanus womöglich. Dieser Traum ließ den alten Kahn in seiner ländlichen Ruhe sanft dümpeln und dann, dann begann er sachte zu schweben. So ist aus einem Wasserwegewrack ein Luftlustschiff geworden.

Letztjährig um diese Zeit hat unser Blick dieses Wrack geentert, das Bild wanderte in den Speicher „Kurios“ und dümpelte geruhsam vor sich hin. Die hiesige Kurparkseeflotte kam sommers hinzu und die Jollenliaison war perfekt. Fehlte nur noch der eine geistige Paddelschlag, um mit einer Pulle Silbensekt die Blogtaufe zu vollziehen. Die fabulöse Frau Ulli ist nun mit ihrer Bootsparade die Taufpatin geworden und manchmal werden Netze zu Feldern, mitunter zu Wäldern und dann strandet vielleicht ein gerundeter Silbenkiesel im Wortemeer. Mit Blickrichtungsbrandung ~~~

Gutgeistdenkgenußnutznießgedankengruß

 

Ein Dichter und Denker schaut verdutzt,
fühlt sich formös und farbvertönt geuzt.
Erst siebgedruckt und massenfabriziert,
dann auch noch gespiegelt und liniert,
war der Tischbein nicht schräg genug?
Besteht die Kunst nur noch aus Lug?

Nein, lieber sehr geschätzter Freiherr,
Es ist nunmal die wohlbekannte Leier:
Je prominenter desto mehr Rapport.
Sie sind genau richtig an diesem Ort
wo gute Geister sich treffen und dann
wieder ein neues gutes Jahr begann.

Ob liniert, gekachelt oder gespiegelt,
Johanns Schicksal scheint besiegelt.
Doch Dank und Achtung blickt erneut
begeistert auf des Künstlers Freud‘.
Und so lebt sein Sinnen stetig weiter:
Genieße dein Leben und bleibe heiter.

Heitermüde Grüße zum Nachtensgetue
sendet Ihre Frau Knobloch ~~~~~~~~
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ nun Ruhe.

Als zu schade befand ich dieses Poem in Kommentarspalten versteckt ungelesen zu lassen und so bekommt es nun seinen eigenen Auftritt. Und da man nicht oft genug auf das wunderbare Städel hinweisen kann, sei hiermit die photographierte Örtlichkeit ausgeplaudert. Wer noch nicht da war, söllte die dunkle Jahreszeit ausnutzen für eine ausgiebige Museumsflaniererey und wer noch nicht überzeugt ist, kann im wahrlich fabulösen Onlinekurs Einblicke wagen. Dahin geht es hier entlang. Die Überraschung bei erfolgreichem Abschluß beflügelt dann selbst die wankelmütigsten Zweifler. Denn eins steht allemal fest: Städel fetzt!

Wenn Clara tanzt…

„Scheißescheißescheiße…“ Claras Flüche verebbten sachte in der schwülen Julinacht während drinnen hitzige Bassläufe und geprügelte Schlagfelle gegen den Krach der tanzwütigen Horde fluteten. Ihr letztes „Schhhh…“ verblieb als Schatten in ihrem Mundwinkel und formte sich unverhofft zu einem „Sch.. schön. Na schön…“ Sie vergaß ihre Gehhilfe und humpelte dem Lärm entgegen.

Sie hatte unzählige Tanztees erduldet, war vor so benamsten Zumbagehupfe von dannen gehumpelt und glaubte inzwischen nicht mal mehr den scheel lächelnden Duttmadamen, die mit Hilfe komplizierter Notensprünge ihre Füße malträtierten. Und ihre Knöchel, Schienbeine, Kniee und verdammtnochmal auch alle diese Bänder, Sehnen, Faszien, sie wollten einfach nicht gehorchen. Sie hatte einst getanzt, verfluchte Hacke, und wie sie getanzt hatte! Keine einstudierten exakten Steifbewegungen, es war mehr als spürte sie die Noten subkutan in sich fließen. Sie hatte die Musikke im Schneewittchenarsch, zumindest lautete so die derbliebe Einschätzung eines früheren Zeitchenbegleiters. Jetzt war alles nur noch Schmerz und Steifheit und ihre Bewegungen erschienen ihr krampfig und ungelenk. Und je mehr sie darüber nachdachte, umso tiefer furchte sich dieser Kummer um ihre Lippen.

„Heyhey, kein Ärger lohnt so finsteren Blick. Willste ’nen Schluck?“ In ihr Blickfeld schob sich eine Pulle Sekt dessen darbietende tätowierte und beringte Hand zu einem beindruckenden Punk gehörte. Ein warm leuchtender brauner Stein in dickes Silber gebettet prangte am Mittelfinger und schien die Wurzel eines tintigen Geflechtes zu sein, das sich in V-Form über den Handrücken zog. „Bier wäre mir lieber.“ Ihre Patzigkeit schien den Buntvogel nicht weiter zu stören. Und auch nicht ihre verkrückte Einschränkung, denn seine flapsige Antwort folgte im Weggehen: „Mußte mit rinkommen, drinne gibts hopfige Ambrosia und urste Mugge…“ „Hey! Warte! Ich kenne doch niemanden in dem Schuppen! Außerdem bin ich zu alt für den Scheiß! Warte!“ Sein rauhes Lachen mitsamt der über die Schulter geworfenen Offerte goss sich lavagleich durch ihr erstarrtes Sinnen. „Alter ist relativ. Und jetzt kennste mich, frag einfach nach Victor…“

„Na schön!“ Sie hatte noch nie zu solcher Musik getanzt und doch war es, als brächten sich die Töne zu ihr zurück. Und Clara tanzte.

 

Heimat.Los!

Heimatlos. Das ganz große Los. Wer die Heimat in sich trägt, kann sie nie ganz los werden. Bleibt ruhen in sich und ihr. Meine Heimat ist im Fensterblick des Mädchenzimmers, wo junge Träume sich in gedachten Noten auf den stromleiterigen Linien zu Partituren fügen. Und immer eine Kerze wärmend schimmert, selbst wenn sie nur scheinbar brennt.

Meine Heimat ist das große helle Haus, dessen miniaturisiertes Abbild ich auch als dunkle Last mit mir trage. Eine Last, deren Gewichtigkeit mit meiner ureigen wachsenden Größe tragbar erscheint. Bodenhaftung behalten bei allen Reformen und dabei immer die eigenen Wege beschreiten, es deucht ein langsames doch stetes Tun soweit.

In meiner Heimat darf ich barfuß an alten Wassern tanzen und alle Schiffe „Esperança“ nennen, selbst diejenigen, deren weiße Segel längst vergilbt oder gar nutzlos scheinen. In meiner Heimat brande ich an wilde Ufer und erobere so ganz neue Gestade, wo ich willkommen und wurzelnd Begrüßung finde. Fremdvertraut, weil ja derselben Art.

Auf allen meinen heimatlichen Wegen kuppeln sich Kathedralen über mich, doch nur um mich zu führen und zu lehren. Mal scheinen sie milde, müdbelächelbar gar und dann wieder schier infernalisch richtungsweisend. Schlußendlich bringt meine Heimat mich zu mir zurück, egal ob ich weißreinlilienartig oder brämberidornig bin.

Heimat. Los! Möge dieser Funke mich innerlich wieder und wieder entflammen und brennend meine sehnlichen Süchte befeuern.