bittemito

Tag: Ohrwurm

Das Gute ist in unserer Güte bedacht

Das Gute erschöpft sich nicht. Es wirkt weiter, unbemerkt oder verkannt bisweilen. Als sachter Ton im Spektakel der modernen Dissonanzen. Fremd, vakant und doch urvertraut bahnt es sich Raum.  So wie der leise Gesang des Rotkehlchens erst in der Stille des kargen Wintermorgens besonders erscheint. Im Jahresbogen der avenaren Choräle bleibt er verborgen. Wir sehen ihn nicht, den Ursprung eines guten sicheren Gefühles, doch er wird uns tragen. Weiter als wir ahnen. Im Augenwinkel prägt sich diese vernehmbare Prophezeiung als rotflattriges Huschen salzend ein.

Es ist die höchste Zeit, der stillen Kraft zu huldigen. Unsichtbare Gaben bahnen leise dem Leben einen Weg, sind für unser Merken bereit. Unter der Krume bersten Zwiebeln, räkeln Rhizome sich dem Licht entgegen und Knollen wollen sich und uns etwas mit-teilen. Das Gute erschöpft sich nie. Bald feuerwerkt es sich floral in unsere Pupillen. Krokensafrangelb, muscariazur und tulipanbunt. Es sprosst jadegrün und explodiert in hyazinthischer Extase. Und das Läuten der Galanthen triumphiert unweigerlich der Rotkehlchen Gesang.

Selbst im Sturm der Menschen Getöse, manche Klippe ist wohlfeil errichtet und scharfgradig gemacht; bleibt uns ein zarter Ton ungenommen. Ein Hallo, ein Dank und eine Bitte. Fürsorge, Demut und Akzeptanz bleiben im guten Verständnis geborgen. Das Gute ist einfach. Und doch so schwer zu begreifen wie das verschämte Zwinkern der Winterlinge und die Kantaten der Stare auf Winterbäumen. Lasst es uns bestaunen, lassen wir uns ergreifen. Das Gute ist in unserer Güte bedacht.

Madrugada. Weil Staunen mit Musik noch schöner ist:

Junikäferuntermpankowmondjubel

Die Junikäfer tanzen spät in diesem Jahr. Beim Abendwässern im Garten bassen sie die hellen Kaskaden, die aus der Gießkanne tropfen. Kaum sehen kann ich sie in den bereits dunkelnden Stunden, aber lauschen will ich ihnen. Stelle meine Kanne ab, bündele meine Sinne.

Mückchengesirre, eine späte Amseltirade und wieder ein Brausen voll müdgewordener Lust. Einer streift mich, kämmt sich durch meine ebenso müden Haare. Händisch helfe ich und muß herzvoll lachen. Schicke ihm gen Dämmerlicht einen Gutwunsch hinterdrein und ergreife wieder die Kanne. Denke mich zurück in vergangene Junimonate.

Zuerst in jenen, als ein voller Mond mich Johanniskraut um Mitternacht finden ließ. Zurück zu dem durchtanzten Juni von vier Hochzeitswochenenden. Sehe mich im Hinterhof unterm Sternenhimmel mit Freunden plaudern. Zeitchen zuvor in einem anderen Garten. Der innere Bass der Traurigkeit zupft seine ureigenen Saiten an.

Eine neue Heimat offerierte sich unverhofft juniflirrend. Ich bewege mich zwischen und in den Strömen. Summe mit Rio seine leise Hymne vom Junimond. Die habe ich lange nicht in meinen Sinnen bewegt. Die hiesigen Junikäfer verklingen mit meinen Erinnerungen. Im Haus tönt Pankow an. Für mich die eine Juniliebe, geht nie vorbei: Ich will tanzen. Wunderbar, so durch die Zeiten zu fliegen.

Die Junikäfer tanzen spät in diesem Jahr. Aber hey! Wir tanzen!

Einfach mal die Zeit verplempern

Lange Blicke aus dem Fenster, das veränderliche Sonnenlicht zaubert immer neue Bilder. Schatten erscheinen, verschwinden wieder. Manche fange ich photographisch ein, lösche etliche dann doch wieder. Was unser Auge zu erkennen vermag, keine Apparatur misst sich an diesem unvergleichlichen Entwurf. Dann ein Schnappschuss und sofort synapst sich eine Melodie in mir herbei.

Ich summe, spinne Textfädchen und erwische mich beim Notenfallenlassen. Befrage den scheinbar allwissenden Zwischennetzknecht und begebe mich Zeitchen in seine Fänge. Ertappe mich kopfschüttelnd, erinnerungsschaudernd und bisweilen großäugig staunend. Nur meine zuerst gesummte Melodey, die finde ich so nicht. Verplemperte Zeit, denke ich und da fällt es mir förmlich schimmerschuppig von den Augen: Ich habe nach dem falschen Lied gesucht. Die springenden Fische sind zwar Teil der wundervollen Welt, aber nicht in einem Lied besungen. Ich lausche nach der ursprünglich in mir anwellenden Melodey und werde augenwassernd fündig.

Der Blick aus dem Fenster wandert inzwischen in dunklen Straßen. Nur Laternen wischen noch Schemen über Häuserwände. Wenn ich jetzt nach draußen gehe, erstrahlt über mir unendliche Gewissheit.

Ein Lied für Jetzt

Ein Lied für alle Computermüdaugen, Sichnachdraußensehner, Umarmungsentzügige, Tanzwutmissende, Konzertsüchtige, Putzmuntermüde, Frischluftdarber, Zimmerblassnasen und Dankerufenwoller.

Ein Lied für alle und jetzt:

Danke für dieses herzhafte Chanson an die Bäste Bänd där Wält! Mein obligater Augentrost für heute wirkt auch trefflich zimmermüdezerknittert.

Ostersonntag

Es gibt Musik, die ist einem hörvertraut und erklingt dann doch genau dieses eine Mal zur richtigen Zeit und unter den passenden Umständen. Ich sah heute viele Sonnenkinder und summte stets eine Melodie für mich dazu. Ein tulipanisches Sonnenkind schaute im Abendlicht treusternig zurück.

Und ich erkannte die Melodie: