bittemito

Tag: Stolz

Und manchmal muß es einfach bunt sein

Manchmal muß es einfach bunt sein. Dann leuchten kleine Sonnen aus Nelkenwurz über dem Boogie-Woogie von Edel- und Christrose in flottem Orangehellgrüngewimmel. Kängurupfötchen geben begeistert den Takt an. Maiglöckchenblätter bitten frische Efeutriebe zum grünen Reigen und Rosmarin liebäugelt mit flatterigem Eukalyptus. Ein weißes Allium tändelt mit der Alstromerie, die in Purpur bald leuchtet. Das Zittergras schüttelt sich vor Begeisterung ob des bunten Treibens und kitzelt dabei den ergrauten Wollziest, der gerade der errötenden Kartheusernelke den Hof machen wollte. Ich schaue lachend das Farbgewusel und halte es für einen Moment fest.

De dix-huit-jours

Die erste Freude war die Besprechung in dunklen Winterstunden. Welches Gemüse bauen wir dieses Jahr an? Die länglichen französischen Radieschen in rotweißer Gala sollen unbedingt mit dabei sein, das war die zwote Freude. Die dritte war die erste Erweckung der februarig ruhenden Beete mit Hackenküssen. Pferdeäppel unterarbeiten die vierte Freude, dann folgten fünf, sechs sieben: grob zerklumpen, feiner zerbröseln und ganz fein krümeln.

Die achte Freude verlangte Achtsamkeit, sie war das behutsame Ziehen von Pflanzeneindringlingen. Manche wurden umgebettet, das gilt jedoch nicht als neunte Freude. Nach Saatgut zu suchen fernab von Baumarkt oder supermarktlichen Mitnahmezeugs, das war die große neunte Freude. Die zehnte war, tatsächlich nachhaltig und kleinbetrieblich fündig zu werden.

In der elften Freude wohnten drei einzelne: Bestellt, bezahlt, bekommen. So einfach, so freudenvoll, so modernen Zeiten gehuldigt. Drei in einer zählen als eine für mich. Dann kam die lange kribbelige Freude auf die richtige Pflanzzeit. Ein Dutzend Freuden somit. Der Dreizehn wohnten alle Geister bei, ich habe keine ausgeladen. Sie alle bevölkern diesen Garten und haben ihren Anteil daran.

Die vierzehnte Freude war das Aussäen, dieses innige Zeichnen der Reihe, das Fühlen des Pflanzholzes, das Nachkrümeln der bereiten Erde in die kleinkreisigen Löcher, das fingerspitzige Betten der Samenkörnchen und schließlich das Bedecken. Das Schwenken der betüllten Gießkanne zum wassernden Segen. Das alles ist eine einzige Freude gewesen!

Zartstarke Grünlinge waren Zeitchen später die fümpfzehnte Freude. Schoben sich durch die Krume und entfalteten alsbald grünlichte Blätter. Wuchsen und rundeten sich dann erdnah. Das war die sechzehnte Freude. Heute habe ich behutsam an einem ersten Radieschen gezogen. Umfaßte den Blätterschopf und hielt plötzlich meine siebzehnte Freude bejubelnd in der Hand. Diesen Jubel trug ich zum Liebsten und dessen wassernder Augenschimmer war mir die spiegelnde achtzehnte Freude.

Geerntet haben wir dann noch mehr: De dix-huit-jours.

 

Vergehen und Werden

Wie ein Abendschatten weicht die Farbe aus den prachvollen Blüten. Ein Leuchtzeichen noch gesendet von der tief sinkenden Sonne, gleich einem warmen Abschiedsgruß. Ein Aufglühen wie ein Blick zurück flutet die Stube. Ich lege neu erworbenes Gartenglück anbei und freue mich auf baldiges Werden. Die nächste Pflanzzeit beginnt. Alle Erden sind vorbereitet, vergangenes Sein erwartet neues Leben.

Schwarzweißunddasdazwischen

Die Beeindruckung der gestrig teilweise begleiteten Demonstration bleibt. Nachhaltig. Es ist wie ein begeisterter Spiegelblick, ein erkennendes Jugendbild. Transformiert in andere Zeiten. Die weder besser, noch schlechter sind. Schwarz- und Weißmaler haben schon seit jeher alle Farbtöne dazwischen vergessen.

Der Stream ist mit allen Pannen und Patzern online gestellt, das kann man sich nämlich auch mal trauen. Realität statt Schönfärberei und Augengewische. Für Schnellgucker empfehle ich tatsächlich die Tagesschau (Das hätte ich von mir selbst nie gedacht!). Dieser Beitrag ist ein Lehrstück in Sachen Medienkompetenz und Leitmediendienertum. Ich suche jetzt nochmal nach den Neuruppiner Schülern, deren Projekt beschäftigt mich. Es fühlt sich an wie selbstbedruckte Shirts mutig unter dem FDJ-Hemd zu tragen.

Nochaltlastablegenotatecho

Diese Freude beim Anblick eines kleinen Fitzelchens alter Tapete, chic durch die Jahre in unsere Zeit gefallen, der ein leises Bedauern folgt. Die marode Wand anbei mitsamt unnützem Ofenrohr bedarf einer Neuverputzung. Wenigstens lichbildnerisch bleibt sie erhalten. Nochaltlastablegenotat.

Und dann ist da noch dieser vermaledeite Einbauschrank. Eine ganze Zimmerseite massiv verholzt. Überlegungen zur eventuellen Nutzung weiterhin. Überstreichen? Teilweise stehen lassen? Nein, das Ungetüm kommt weg. Und wieder bebt das Haus vor Hammerschlägen.

Dann plötzlich Stille. Staunen und anwellende Freude fluten Auge und Herz. Vorsichtiger tönen nun die Arbeitsgeräusche. Die Flut steigt bis zum Gewißheitsdeich, brandet jubilierend an: Was an anderer Stelle nur ein Fitzelchen war, überdauerte hinterschrankig circa sechzig Jahre an einer ganzen Wand.