bittemito

Justewiglebensliebeweilejubel

Träumend queren wir pulsierende Sommertage, fallen in sinkende Wärmeschleier und flüstern uns in außerhäusige Heimaten. Fingerkuppen malen flüchtige Spuren auf heiße Haut und kühles Glas, beides macht uns staunen ob dieser selbstverständlich porenden Feuchte. Wir geben uns den Kondensküssen hin und athmen luxuriöse Leichtigkeit. Frische vermählt sich mit der werbenden Hitze und stille Ruhe wölbt sich in sanfter Begehrlichkeit. Unsere Blicke ankern aneinander, kaskaden durch undinfarbene Tiefen und steigen auf mit dem tuchigen Nebel,  in dem wir inselig wohnen. Unser Herzschlag wird tragend weit wie die Schwingen großer Wasservögel, die diesen Zauber in ihren Daunen bergen. Sonnenfinger zeigen auf unser stilles Glück und plötzlich fällt ein Windgruß in die Wipfel der schlafenden Bäume und rauscht durch uns in alle Zeiten hinab. Glück als ein Weilen in sämtlichen Dingen. Wir leben uns liebend durch sie in justen Ewigkeiten hinfort.

Verwegene Verse – Kleintierkokolores

„Kommt alle, wir spielen just Verstecken!“

So riefen begeistert die nackten Schnecken.

Eine tarnte sich an Baumes Rindenwegen,

die andere liebte mehr Blumen, weswegen

sie an einer Irisschönheit sich hochbegab.

Die zarten Libellen, selbst dünn wie ein Stab

fanden im Wasser ’nen Ast, einen lotrechten,

 verharrten da. Und auch nicht von schlechten

Eltern war die Tarnung der einen Flugelfe,

die nutzte ein Wildbuntkraut als Behelfe

um fast ganz in der Buntheit zu schwinden.

Bravo! Bunt in bunt muß man erstmal finden!

Apropos bunt: Ein schöner Rotfleckfalter

probierte einen dünnen Halm als Halter

um hinter dem sich versteckig zu tarnen,

doch seine Signalfarbe tat leider warnen.

So wurde auch der Jakobskrautbär entdeckt.

Die Schnirkelschnecke hingegen hats gecheckt

und sich an einer stacheligen Distel hochgereckt.

Da mag keiner so lange rumflirrend suchen,

denn oft ist ein Opfer leider zu verbuchen.

So manches Flattertierchen hing schon fest,

über blieb nur ein häuterner Insektenrest

um warnend vom Ernst im Spiele zu künden:

Stachelverstecke sind nur als gut zu befinden,

wenn häuslich man sich zu schützen vermochte.

Befand wohl auch der Käfer, indem der krochte

hinter eine zarte Irisknospe und verscheuchte

alles, was da signalfarbig kreuchte und fleuchte.

Ob Stachel an Pflanze oder Tiere angebracht,

besser ist’s, man hat schon mal vorausgedacht.

Der Hummel bleibt nur brummend abzudrehen,

sie wird oftmals unverdient scheel angesehen.

So geht es auch den besten in diesem Spiele:

Die Spinnen und von denen gibt es gar viele,

die tarnen sich gerne so ganz bonfortionös.

So deucht mich hier der Sieger arachnidös.

Ich fand das Tier auch erst nahbeträchtlich,

blattgetarnt und tropfenspiegelprächtig.

So liegt die Schönheit oft kleinstversteckt

und hat in mir Pupillenlust just geweckt.

 

 

 

 

 

 

Solebensfestlichtrunkjubeltanzfledaroneben

Und plötzlich dieses Sommerflirren, als hätten die Pupillen dem Pappelflüstern die Sinne zum Tanze geliehen. Eine juchzende Gavotte vielleicht, mehr subkutan vernommen und sogleich preziösiert oder doch nur ein leises hüftwärtses Wiegen zum Anlandklang zartester Wellen? Ein sirrender Flügelschlag, dessen Wahrnehmung schier irritiert und ein trunkenes Taumeln fledarönischen Festes im sinkenden Abendlichte. Ein Baumgemurmel wie fernes Uraltwissen als Schallseufzen vernommen und die eigene Brust mit Ahnung geflutet, so sehr, daß dieses Sprengenwollgefühl den Athem korsetten muß. Harrend der Ablösung durch zehenspitziges Departüren mit gespanntem Öffnen der Schulterblätter. Weit, nur weit hinauf spiralisieren mit diesem wundervollen Sommertrunk kapillarisch bestofflicht, nur um zu erkennen, was die Augen nicht zu glauben vermögen und eigentlich nur in uns selbst sehnend flirrt: Leben… eben.

Wenn Clara tanzt…

„Scheißescheißescheiße…“ Claras Flüche verebbten sachte in der schwülen Julinacht während drinnen hitzige Bassläufe und geprügelte Schlagfelle gegen den Krach der tanzwütigen Horde fluteten. Ihr letztes „Schhhh…“ verblieb als Schatten in ihrem Mundwinkel und formte sich unverhofft zu einem „Sch.. schön. Na schön…“ Sie vergaß ihre Gehhilfe und humpelte dem Lärm entgegen.

Sie hatte unzählige Tanztees erduldet, war vor so benamsten Zumbagehupfe von dannen gehumpelt und glaubte inzwischen nicht mal mehr den scheel lächelnden Duttmadamen, die mit Hilfe komplizierter Notensprünge ihre Füße malträtierten. Und ihre Knöchel, Schienbeine, Kniee und verdammtnochmal auch alle diese Bänder, Sehnen, Faszien, sie wollten einfach nicht gehorchen. Sie hatte einst getanzt, verfluchte Hacke, und wie sie getanzt hatte! Keine einstudierten exakten Steifbewegungen, es war mehr als spürte sie die Noten subkutan in sich fließen. Sie hatte die Musikke im Schneewittchenarsch, zumindest lautete so die derbliebe Einschätzung eines früheren Zeitchenbegleiters. Jetzt war alles nur noch Schmerz und Steifheit und ihre Bewegungen erschienen ihr krampfig und ungelenk. Und je mehr sie darüber nachdachte, umso tiefer furchte sich dieser Kummer um ihre Lippen.

„Heyhey, kein Ärger lohnt so finsteren Blick. Willste ’nen Schluck?“ In ihr Blickfeld schob sich eine Pulle Sekt dessen darbietende tätowierte und beringte Hand zu einem beindruckenden Punk gehörte. Ein warm leuchtender brauner Stein in dickes Silber gebettet prangte am Mittelfinger und schien die Wurzel eines tintigen Geflechtes zu sein, das sich in V-Form über den Handrücken zog. „Bier wäre mir lieber.“ Ihre Patzigkeit schien den Buntvogel nicht weiter zu stören. Und auch nicht ihre verkrückte Einschränkung, denn seine flapsige Antwort folgte im Weggehen: „Mußte mit rinkommen, drinne gibts hopfige Ambrosia und urste Mugge…“ „Hey! Warte! Ich kenne doch niemanden in dem Schuppen! Außerdem bin ich zu alt für den Scheiß! Warte!“ Sein rauhes Lachen mitsamt der über die Schulter geworfenen Offerte goss sich lavagleich durch ihr erstarrtes Sinnen. „Alter ist relativ. Und jetzt kennste mich, frag einfach nach Victor…“

„Na schön!“ Sie hatte noch nie zu solcher Musik getanzt und doch war es, als brächten sich die Töne zu ihr zurück. Und Clara tanzte.

 

Heimat.Los!

Heimatlos. Das ganz große Los. Wer die Heimat in sich trägt, kann sie nie ganz los werden. Bleibt ruhen in sich und ihr. Meine Heimat ist im Fensterblick des Mädchenzimmers, wo junge Träume sich in gedachten Noten auf den stromleiterigen Linien zu Partituren fügen. Und immer eine Kerze wärmend schimmert, selbst wenn sie nur scheinbar brennt.

Meine Heimat ist das große helle Haus, dessen miniaturisiertes Abbild ich auch als dunkle Last mit mir trage. Eine Last, deren Gewichtigkeit mit meiner ureigen wachsenden Größe tragbar erscheint. Bodenhaftung behalten bei allen Reformen und dabei immer die eigenen Wege beschreiten, es deucht ein langsames doch stetes Tun soweit.

In meiner Heimat darf ich barfuß an alten Wassern tanzen und alle Schiffe „Esperança“ nennen, selbst diejenigen, deren weiße Segel längst vergilbt oder gar nutzlos scheinen. In meiner Heimat brande ich an wilde Ufer und erobere so ganz neue Gestade, wo ich willkommen und wurzelnd Begrüßung finde. Fremdvertraut, weil ja derselben Art.

Auf allen meinen heimatlichen Wegen kuppeln sich Kathedralen über mich, doch nur um mich zu führen und zu lehren. Mal scheinen sie milde, müdbelächelbar gar und dann wieder schier infernalisch richtungsweisend. Schlußendlich bringt meine Heimat mich zu mir zurück, egal ob ich weißreinlilienartig oder brämberidornig bin.

Heimat. Los! Möge dieser Funke mich innerlich wieder und wieder entflammen und brennend meine sehnlichen Süchte befeuern.

 

Gelbstattgoldrockglattvollgalasamtdrossel

Reich beschenkt erlebe ich momentige Zeitchen, die Ausgleichswaage neigt mehr zum zarten, schwachen und so gewichtigen Erleben. Sternentalerig möchte ich die Momente sammeln und bewahren. Festrobig beseelt durchtanze ich diese Vorsommertage und athme tief in warmen, lieben Wogen. Manches Pupillenpralinchen will ich gerne teilen, das güldene Raschelstaniol soll sachte seine kleinen Prächtigkeiten zeigen:

Und was mir jahresanfänglich so drastisch weißkittelig diagnostiziert

(mit mahnendem Verweise)

Ich habe ab jetzt einen Vogel!; gelang mir selbstieartig nun festzuhalten.

Zwar ist es keine Meise,

doch ist da offensichtlich plusterigflaumig einer der Aves platziert.

Nun gilt es, sich angemessen vogelfrei, äh, besetzt, zu verhalten…

 

Zweifellosrisikozwolebenzeilen

„Im Zweifelsfall immer Risiko, stimmts?“ „Klaro“ lautet meine knappe Antwort während ich mich mehr darauf konzentriere, das unerwartet schwere Rad wieder in seine ursprüngliche Position zu wuchten, als auf die Besitzerin des Velos. Ebenfalls schwere maßgeschneiderte Schuhe schieben sich in mein durch Speichen und Felgen absonderlich eingenormtes Blickfeld. „Gut, das wäre auch meine Entscheidung gewesen.“ Mit dem Aufblicken ächzt nicht nur meine miserable Disponanz, auch meine Denkapparatur jault einrasternd auf. Mich trifft ihr strahlender, lebensfroher Blick wie ein plötzlich aufflammender Scheinwerfer.

Meine Freundin ist eine Schönheit. Ist es immer gewesen.  Oft genesen. Darauf könnte man jetzt richtig verwegene Verse reimen, doch es ist nicht so. Sie ist müde und leidet. Und überläßt mir ihr Fahrrad. Sie und ihr hilfreicher Begleithund sind noch nicht bereit für wilde Velostrampeleyen. Ihre dermaßen offensichtliche Begeisterung über diese Idee macht mich rotwangig. Wir haben es gemeinsam aus dem Keller gewuchtet, unsere Fingerkuppen erzählen fernab aller gutenbergschen Möglichkeiten von dem geteilten Wissen der Schwärze einer abgesprungenen Kette. Die ritzelt wieder zuverlässig, der Dynamo hingegen schwächelt weiter. Wechselspannung in echt.

„Bei mir stehts eh nur im Keller, so ein Rad muß doch gefahren werden.“ Diese Sachlichkeit ist das Ergebnis lebenslanger Krankheit und rührt mich mehr an, als jedes Lamento es könnte. Ich gäbe in diesem Moment alles dafür, das Velo allein für sie flottzumachen und steige dennoch selbst auf. Kurzes Antesten und dann hält mich nichts mehr. “ Viel Vergnügen!“ weht mir ein lachpeperlter Gruß hinterdrein und ich bezickzacke die leerdämmerigen Straßen des Städtchens.

Dass ich Zeitchen später den Kurpark querbejagte, inzwischen ganz ohne Licht, der Dynamo schmollte endgültig ob dieser herben Erweckung; davon erzähle ich lieber nicht. Da sind so seltsame rotweiße Rundschilder, velobemittet, aber nächtens kaum noch Menschen unterwegs. Im Zweifelsfall öfter mal Risiko. Stimmt. Weil Risiko manchmal pralle Lebenslust ist, die durchaus auch zwolebig befüllhornt sein kann und manches Licht heller als elektrisch generiertes Leuchten ist.

Noch paar Zeitchen später überholten professionelle Heinzelmännchen das ganze Velo in einem ersten Lenzexamen, die nächste Prüfung wird ein fulminanter Doppelausritt von Floravelo und Freundinnenrad, aber psssssst, diese Risikolebenszeilen geheimnissen noch vor sich hin…

Mr. Turner piept nicht mehr.

Das federige Winzding lag irgendwie seltsam verdreht und überaus deplaziert auf dem tausendtrauten Steinboden des Hinterhofes. Mit meinem Niederknieen stieg gleichsam das Augenwasser auf, als wäre die Trauer um ein Lebewesen eine Art hydraulisches Muss, eine tief gefühlte Mechanik, deren Insichgreifen keines extraigen Befehles bedarf.

Zu jung, zu winzig, zu tot lag es dann in meiner Hand. Kein Gewicht zu wägen, kein Gefieder zu glätten und der kurze Moment des vermeintlichen Pochens- es war nur mein eigenes Klopfding brustwärts, welches mich ein vergangenes Leben spüren ließ. Zeitchen verblieb das entleibte Wesen in meinem pulsenden Händen, keine Hoffnung auf Wiederkehr löste diese seltsame Brandung aus, sondern ein Wissen um den einen immer gültigen Kreislauf.

Ich brach eine weiße offenblütige Tulpe und bettete das Vogelkörperchen darin, umgab es dann mit frischem Blattwerk und wir verabschiedeten uns von dem ungelebten Leben, wandten uns dem anderen zu, welches noch kleinfiepsig aber konstant auf sich aufmerksam machte. Mrs. Turner piepte mehrmals…

Lenzensputzlebenslustschnappschussgruss

Nach einem wahrlich harten Winter müssen auch manchmal die stillsten Eckchen durchgefeudelt werden. Hinterhöfisch wie herzenskämmerich. In dem Denkpenthaus soundso. Lenzensputzlebenslust eben. Ich wünsche allen Wortflaneusen und Buchstabenakrobaten bonfortionöse Frühlingsgefühle mit Primelpower, Narzissgeflüster, Tulipangetanze, Weidenkatzerichgekuschel und Hyazinthhauch…

Verwegene Verse – Hakenhabilitationsversion

Ich begegnete einst einem sehr kleinen Häkchen,

das stellte mir zuallererst ein kurioses Frägchen:

Wozu bin ich eigentlich hier so verdübelt?

Viele hatten ihm diese Frage schon verübelt,

ich jedoch konnte nur lauthals drüber lachen.

So ein Haken taugt doch zu vielerley Sachen!

Den macht man einfach hinter manche Zeit

(und entlübdet sich von genormtem Leid),

denn vieles, was uns bittdankend deucht

ist nicht den Furz wert, der uns entfleucht.

Pobacken zusammenkneifen, bitte nicht immer;

denn manchmal kommts tatsächlich schlimmer

und wenn’sde dann keinen kleinen Haken hast,

trägt niemand außer dir diese unschöne Last.

Scheiße einfach mal drauf und laß dich hängen

anstelle des Hangtuches kannste doch bangen

(Dieses Bangen ist als Bängen bitte zu erlesen,

(Tschuldigung, Überdosis Ärzte, ich bin genesen!))

Ähem, zumindest von den weißen Kitteleien,

man möge mir diese Rockbarkeit just verzeihen!

Zurück zu dem kleinen scheinbar unnützem Ding,

bei dessem Anblick ich mir ein Lächeln einfing:

Was vor einem steht, das kann man nicht wissen,

doch den Haken dahinter will ich nicht missen.

 

 

keintuch