bittemito

Käthe Knobloch. Bitte mit O. Erst ein Ä und dann zwei O.

Gelbstattgoldrockglattvollgalasamtdrossel

Reich beschenkt erlebe ich momentige Zeitchen, die Ausgleichswaage neigt mehr zum zarten, schwachen und so gewichtigen Erleben. Sternentalerig möchte ich die Momente sammeln und bewahren. Festrobig beseelt durchtanze ich diese Vorsommertage und athme tief in warmen, lieben Wogen. Manches Pupillenpralinchen will ich gerne teilen, das güldene Raschelstaniol soll sachte seine kleinen Prächtigkeiten zeigen:

Und was mir jahresanfänglich so drastisch weißkittelig diagnostiziert

(mit mahnendem Verweise)

Ich habe ab jetzt einen Vogel!; gelang mir selbstieartig nun festzuhalten.

Zwar ist es keine Meise,

doch ist da offensichtlich plusterigflaumig einer der Aves platziert.

Nun gilt es, sich angemessen vogelfrei, äh, besetzt, zu verhalten…

 

Zweifellosrisikozwolebenzeilen

„Im Zweifelsfall immer Risiko, stimmts?“ „Klaro“ lautet meine knappe Antwort während ich mich mehr darauf konzentriere, das unerwartet schwere Rad wieder in seine ursprüngliche Position zu wuchten, als auf die Besitzerin des Velos. Ebenfalls schwere maßgeschneiderte Schuhe schieben sich in mein durch Speichen und Felgen absonderlich eingenormtes Blickfeld. „Gut, das wäre auch meine Entscheidung gewesen.“ Mit dem Aufblicken ächzt nicht nur meine miserable Disponanz, auch meine Denkapparatur jault einrasternd auf. Mich trifft ihr strahlender, lebensfroher Blick wie ein plötzlich aufflammender Scheinwerfer.

Meine Freundin ist eine Schönheit. Ist es immer gewesen.  Oft genesen. Darauf könnte man jetzt richtig verwegene Verse reimen, doch es ist nicht so. Sie ist müde und leidet. Und überläßt mir ihr Fahrrad. Sie und ihr hilfreicher Begleithund sind noch nicht bereit für wilde Velostrampeleyen. Ihre dermaßen offensichtliche Begeisterung über diese Idee macht mich rotwangig. Wir haben es gemeinsam aus dem Keller gewuchtet, unsere Fingerkuppen erzählen fernab aller gutenbergschen Möglichkeiten von dem geteilten Wissen der Schwärze einer abgesprungenen Kette. Die ritzelt wieder zuverlässig, der Dynamo hingegen schwächelt weiter. Wechselspannung in echt.

„Bei mir stehts eh nur im Keller, so ein Rad muß doch gefahren werden.“ Diese Sachlichkeit ist das Ergebnis lebenslanger Krankheit und rührt mich mehr an, als jedes Lamento es könnte. Ich gäbe in diesem Moment alles dafür, das Velo allein für sie flottzumachen und steige dennoch selbst auf. Kurzes Antesten und dann hält mich nichts mehr. “ Viel Vergnügen!“ weht mir ein lachpeperlter Gruß hinterdrein und ich bezickzacke die leerdämmerigen Straßen des Städtchens.

Dass ich Zeitchen später den Kurpark querbejagte, inzwischen ganz ohne Licht, der Dynamo schmollte endgültig ob dieser herben Erweckung; davon erzähle ich lieber nicht. Da sind so seltsame rotweiße Rundschilder, velobemittet, aber nächtens kaum noch Menschen unterwegs. Im Zweifelsfall öfter mal Risiko. Stimmt. Weil Risiko manchmal pralle Lebenslust ist, die durchaus auch zwolebig befüllhornt sein kann und manches Licht heller als elektrisch generiertes Leuchten ist.

Noch paar Zeitchen später überholten professionelle Heinzelmännchen das ganze Velo in einem ersten Lenzexamen, die nächste Prüfung wird ein fulminanter Doppelausritt von Floravelo und Freundinnenrad, aber psssssst, diese Risikolebenszeilen geheimnissen noch vor sich hin…

Mr. Turner piept nicht mehr.

Das federige Winzding lag irgendwie seltsam verdreht und überaus deplaziert auf dem tausendtrauten Steinboden des Hinterhofes. Mit meinem Niederknieen stieg gleichsam das Augenwasser auf, als wäre die Trauer um ein Lebewesen eine Art hydraulisches Muss, eine tief gefühlte Mechanik, deren Insichgreifen keines extraigen Befehles bedarf.

Zu jung, zu winzig, zu tot lag es dann in meiner Hand. Kein Gewicht zu wägen, kein Gefieder zu glätten und der kurze Moment des vermeintlichen Pochens- es war nur mein eigenes Klopfding brustwärts, welches mich ein vergangenes Leben spüren ließ. Zeitchen verblieb das entleibte Wesen in meinem pulsenden Händen, keine Hoffnung auf Wiederkehr löste diese seltsame Brandung aus, sondern ein Wissen um den einen immer gültigen Kreislauf.

Ich brach eine weiße offenblütige Tulpe und bettete das Vogelkörperchen darin, umgab es dann mit frischem Blattwerk und wir verabschiedeten uns von dem ungelebten Leben, wandten uns dem anderen zu, welches noch kleinfiepsig aber konstant auf sich aufmerksam machte. Mrs. Turner piepte mehrmals…

Lenzensputzlebenslustschnappschussgruss

Nach einem wahrlich harten Winter müssen auch manchmal die stillsten Eckchen durchgefeudelt werden. Hinterhöfisch wie herzenskämmerich. In dem Denkpenthaus soundso. Lenzensputzlebenslust eben. Ich wünsche allen Wortflaneusen und Buchstabenakrobaten bonfortionöse Frühlingsgefühle mit Primelpower, Narzissgeflüster, Tulipangetanze, Weidenkatzerichgekuschel und Hyazinthhauch…

Verwegene Verse – Hakenhabilitationsversion

Ich begegnete einst einem sehr kleinen Häkchen,

das stellte mir zuallererst ein kurioses Frägchen:

Wozu bin ich eigentlich hier so verdübelt?

Viele hatten ihm diese Frage schon verübelt,

ich jedoch konnte nur lauthals drüber lachen.

So ein Haken taugt doch zu vielerley Sachen!

Den macht man einfach hinter manche Zeit

(und entlübdet sich von genormtem Leid),

denn vieles, was uns bittdankend deucht

ist nicht den Furz wert, der uns entfleucht.

Pobacken zusammenkneifen, bitte nicht immer;

denn manchmal kommts tatsächlich schlimmer

und wenn’sde dann keinen kleinen Haken hast,

trägt niemand außer dir diese unschöne Last.

Scheiße einfach mal drauf und laß dich hängen

anstelle des Hangtuches kannste doch bangen

(Dieses Bangen ist als Bängen bitte zu erlesen,

(Tschuldigung, Überdosis Ärzte, ich bin genesen!))

Ähem, zumindest von den weißen Kitteleien,

man möge mir diese Rockbarkeit just verzeihen!

Zurück zu dem kleinen scheinbar unnützem Ding,

bei dessem Anblick ich mir ein Lächeln einfing:

Was vor einem steht, das kann man nicht wissen,

doch den Haken dahinter will ich nicht missen.

 

 

keintuch

Graugangentlanggnadegedanken

„Ich will dich hier nicht wiedersehen!“ Sein bröckelndes Lachen gilbte die ohnehin gräulichen Wände des langen Krankenhausflures. Gelbgrau war aber auch alles an ihm, selbst seine Kleidung in der er sich stets trotzigmüde auf sein Bett legte; mimikryrte regelrecht die Fehlfarbenheit seiner Haut. Das müde Lächeln zeigte ebensolches Zahnfleisch und die maroden Zahnreihen waren kaputte Belege für die Endgültigkeit des Urteils, welches die Krankheit über ihn in ihrer Grausamkeit und ohne Gnade verhängt hatte. Er war die entkörperte Aufgabe. Es kostete Überwindung sich ihm in Zuneigung zu nähern, er dünstete dieses Schicksal porig aus. Da war der ansonsten abstoßende Kaltrauchbrodem fast eine willkommene  Übertünchung. Jeden Tag mehrmals quälte er sich mitsamt seinem Wägelchen voller medizinischem Gerät hinunter zum Rauchplatz. Wer wöllte ihm noch dieses letzte seiner Laster verbieten? Sein bröckelndes Lachen lawinierte jeden besserwissigen Einwand hinweg.

„Ich schulde dir aber noch einen Tanz!“ Meine ebenso patztrotzige Antwort hallte durch den Flur bis in sein Zimmer zurück, denn ich blieb nicht stehen, konnte nicht mal zurückblicken, zu wildweh der Wunsch, diesen Türen endgültig zu entkommen, die sich nur leise schabend aber unaufhaltbar automatisch hinter einem schließen. Lange Tage hatte sich unser Dasein zimmerig geschrägt und nun durfte ich gehen und er blieb.  Ich hatte meine Hand zuvor auf seine in Geröchel bebende knochige Brust gelegt und sein Vergehen subkutan spüren können. Sein Blick schickte mich weg und mehr fühlte ich seine Worte, als daß ich sie vernahm. Meine Zeit sei noch nicht verstrichen, werde gesund und tanze andernorts wieder, so hallte es mir kratzstimmig nach. Und ich horchte, gehorchte gar. Fluchtend leicht und gelöst schwer erschien mir dieser Graugang mit einem Mal.

„Aber ich führe…“. Genau. Du hast mich geführt. Für eine kleine Augenblicklichkeit ganz konkret. Und innendrinnig hoffentlich dauerhaft. Dein Mut zum Sterben soll mir lichtend das letzte Grauen vertreiben. Doch bis dahin ist mein Gang hoffentlich noch lang. Und voller Gnade.

graugang2

 

Dünkelmarktdungtümmelgetue

Ein Hund zerkläfft die unwirkliche Stille der anrainenden Straße. Die unüberhörbare Wut könnte aus kleiner Kehle und großem Frust entspringen. Statt seiner umlauern unweit entmenschte Gestalten Baumkadaver, deren einst betörender Lebensduft nur seinesgleichen zum Markieren des Gewohntreviers nutzdiente. Sie sind nur ein paar Schritte entfernt, diese benikolausten Spaßmützenträger und pelzbehalsten Industrieplörreschlürfer. Umlagern pseudoanheimelnde Fressbuden, frevelzerranschen die wenige vernünftige Ware und verderben dadurch jedem kleinen Kunsthandwerker die Lust an vernünftiger Präsentation. Geschweige denn eine erträgliche Kalkulation.

Einer davon war der alte Fellhändler. Mein schönes Schwarzhammelgewuschel beduftflüstert mich Zeitchen schon. Letztes Jahr zuckachselte er auf meine Frage nach Wiederkehr, nun steht ein anderer, kleiner sortierter Händler an seinem Platze. Keines der angebotenden Schaffelle mag mich beschmeicheln, auch deuchen mich die Preise nicht wirklich angemessen, wobei ich es tatsächlich verstehe. Horrende Standgebühren und Verluste durch dämliche Grapscher müssen irgendwie ausgeglichen werden. Beispiel gefällig? Ein gerade noch bratwurstmampfender Möchtegernspaßvogel setzte sich eine der annoncierten Fellwerke auf das leicht schmierig erscheinende Haupt und verkündete den umstehenden Dösigglotzern, daß er nun diese Mütze billiger erhalte, denn sie sei ja gebraucht. Schenkelklopfer, ey! Von der schräg anrainenden stinkenden und dicht umlagerten Frittenschmiede in launigem Alpenlook ertönt gröhlig umprusteter Applaus.

Diese holzzombiös zusammengetackerten Hütten machen mich ohnehin kehlwütig, ich möchte fast ausspeien vor solchem pseudoheimeligen Getue und derartige Mißachtung erhöht mein Kübelpotential ungemein. Meine kleine Kehle widerspenstigt sich jedoch dem allgemeinen Frust. Der sich senkende Blick erbarmt sich und bittet um Gnade für alle diejenigen, denen selbst die häckselige Spreu unter der Krippenszenerie nicht heilig genug erscheint. Kotzt doch auf alles, was euch noch niederer dünkt. Dung und Dünkel, es gibt einen wesentlichen Unterschied. Der vermutlich kleine Hund und ich sind uns jedenfalls einig: Eine gepflegte Angepisstheit erscheint uns trefflicher. Hiermit passiert. Bitte achten Sie auf Spritzer, meine innere Furie gibt keine Dünkelmarktgetuedunggarantie.

Amberouvertürenatemübernahme

Wie ahnen können von den fanfarigen Wellen, die unhörbar durch den ganzen Körper eine vollkommen neue Ouvertüre komponieren? Gleich dem unübersetzbaren aber absolut hinreißend gezeichneten Notenblatt eines fremdtraut bewunderten Musikers, dessen ohrwärtige Pfade nur einsinnig verstanden werden können, weil zunächst dieser eine Sinn nur verständlich in einem zu vibrieren beginnt. Der geschlossene Wimpernvorhang kündet bebend vom Augenscheinfieber und selbst ein vorsichtiges Lugen bricht mit einem tosenden Seufzen sich selbstbrechend genügend aus dem innersten Geklinge heraus. Poriger Applaus quillt dann rotsüßeisend auf und subkulturiges Stillpulsen kaskadiert mit dem Seufzathem, freiwild sich weitergebend zu teilen. Töne, deren Ursprünglichkeit fast beängstigend pur und unbändig erscheint, wiewohl in ihrer natürlichen Art nur allzu selbstverständlich; klingen just auf in diesem Stöhnmoment. Es könnte tiefste Trauer sein oder höchste Extase, die diese Sinnensinfonie aus sich heraus gebiert. Ich bebe wie ein hundertbetanes Orchester und bin doch nur mein ganz eigenes Instrument. Gestimmt allein durch einen tausendtrauten und gleichwohl ambivalenzigen Bernsteinkuß.

Schreiben ist ein stetes Wundern

Schreiben ist ein stetes Wundern, ein Kopfschütteln über die Möglichkeit des Jonglierens mit Strichen, Bögen und punktuellen Variationen. Selbst wenn eine solche Buchstabenskulptur mal kauderwelschpurzelig sich selbst überschlägt.

Schreiben ist ein stetes Wundern, ein Seufzjuchzen über die Feinstgefährlichkeit des Balancierens auf diesem schmalen Silbenseil. Selbst wenn seitwärts besserwissertiefe Abgründe maulfaulig erscheinen.

Schreiben ist ein stetes Wundern, ein Zehenspitztanz zu den innersten wilden Melodeyen dessen die eigenen Sinne auf rissigen Blogplanken zu mazurkan so fähig sind. Selbst wenn ein Nörgelnagel apostrophisch sich spreizt.

Schreiben ist ein stetes Wundern, ein Herzschlagstottern über die Selbstseltsamkeit der Silbersilbenspuren, deren Folgen mitunter schlußendlich an nur dem einen denkbaren Ende sich manifestieren. Punkt.

 

schreibstube5

Und manchmal ruht das größte Wunder trautversteckt zwischen allen den hüpfjuchzenden und silbrigtanzenden Zeilen. Das Wunder namens Schweigen.

Der Sommer der Un-Möglichkeiten

Dieser Sommer war so unmöglich, dass er schier tatsächlich nicht möglich zu sein schien. Die sich auftuenden Möglichkeiten erschienen erschreckend schön und gleichzeitig voller möglicher Unwägbarkeiten, sie konnten sich nur im freien Handeln negieren. Und anschließend wieder positivieren. Falls so etwas wirklich möglich ist.

Mutanfälle wurden heftig gelöhnt aus Vermögen, welches keinesfalls mit monetärem Besitztum beinhaltet war; sondern mit ganz tiefer Liebe zu von Herzen erschaffener Habe. Doch dieser womögliche Verlust gebar wiederum neue Möglichkeiten. Aus Mögen entstanden horizontweite Blickigkeiten, die das Leben ungemein intensivierten.

Verletzungen konnten unmöglich verhindert werden und mit ihnen die bittere Erkenntnis eines Verrates, dessen Innewohnen in einem selbst in letzter Konsequenz nur zu offenbaren möglich war, weil die Selbstliebe endgültig in das Mögen investierte. Möglicherweise zum ersten Male in diesem Leben auf diese einzig radikale Art.

Es war ein Sommer der Un-Möglichkeiten, er kam spät, doch heftigzart in seiner Intensität. Zum ersten Male sehnte ich ihn mir unendlich herbei. Doch der Herbst hat wohlmögend seinen fühligen Staffelstab aufgenommen und läßt unmögliche Wunder weiter einfach als möglich erscheinen. Ich glaube an Wunder. Un-Möglich fest.

Herbstclematis