Adieukusströstlichlauschgespinst

von kaetheknobloch

Der erste Kuss, den man jemandem schenkt ist immer wie ein vorsichtiger Augenaufschlag, wie ein bebendes Heben des Wimpernvorhangs, weil die Ahnung dessen fehlt, was ein Autor wohl einem als nächstes in diese Lebensrolle schrieb. Und kein Souffleur ist in Sicht.

Der erste Kuss, den man jemandem schenkt ist immer wie ein  wehendes Flüstern, wie ein  ahnendes Erwachen der morgentauigen Pflanzen, weil da ein Seufzen mitschwingt, daß dieses Wasser nicht genügen wird. Und keine Regenwolke ist in Sicht.

Der erste Kuss, den man jemandem schenkt ist immer wie ein behutsames Befeuern, wie ein warmes Anhauchen der tintigen Feder, weil diese Zeilen nur flüsternd verkünden dürfen, was man selbst laut jubellierend notatierend möchte. Und kein Löschpapier ist in Sicht.

Der erste Kuß, den man jemandem schenkt ist immer wie ein leises Rascheln von zarten Blütenblättern, wie ein mariposiges Beben auf einem floralesken Gemälde, weil man vor Staunen über diese flatterfragile Schönheit das Athmen vergißt. Und kein Abbild ist in Sicht.

Der erste Kuß, den man jemandem schenkt ist immer wie ein vorsichtiger Pinselschwung, wie ein Farbschatten nur auf jungfräulicher Leinwand, weil man die Farbpalette nie richtig auszuschöpfen vermag ob dieser möglichen Vielfalt. Und kein Regenbogen ist in Sicht.

Der erste Kuß, den man jemandem schenkt ist immer darum so besonders, weil man nie weiß, ob es nicht gleichzeitig der letzte ist.

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