Die sanften Herzschauer der Freude

von Käthe Knobloch

Plötzlich kann man sich jeden Tag auf etwas Unerwartetes freuen. Dinge tun, die lange nicht in das Tagewerk passten. Postkarten aus eigenen Photographien erstellen und mit ein paar Grußworten versenden, zum Beispiel. Sich Zeit dafür nehmen. Überlegen, welche Karte zu wem passt. Den wohlvertrauten Füllfederhalter in den Fingern wiegen. In alten Adressbüchern stöbern und sich wundern, daß zunächst manchmal kein Gesicht mehr zum Namen erscheint. Zurück denken. Dankbar und mit dem feinen Schwung eines Erinnerungslächelns mit der Fingerkuppe den Schriftzug kosen. Den Namen ausstreichen. Vielleicht. Oder eine besonders schöne Karte auswählen und ein Dankesadieu schreibwispern. Möglicherweise aber auch eine Handreichung annoncieren. Nicht wissen, ob die Adresse noch stimmt. Und die Karte dennoch absenden. Bei anderen Adressen diese staunende Erkenntnis , wie nahe man sich nun ist. Räumlich. Den sanften Herzschauer der Freude genießen in der Flut der sich daraus anwellenden Möglichkeiten. Denn plötzlich kann jeden Tag etwas Unerwartetes geschehen.