Kellertreppenfliegflatterdingtränenglück

von Käthe Knobloch

Des Winters droht kein Ungemach für Kleinsttierchen, da im kalttiefen Kellertreppenloch. Kontrollgänge mache ich trotzdem, auch Laub und Geäst will immer mal entsorgt sein. Fast hätte ich ihn übersehen im schon dämmernwollenden Abendlicht. Die tiefstehende Lenzensonne, sie reicht nicht bis hinab zu der letzten Stufe, auf dessen Kante der strichbeinige hockt. Ein eben geschlüpfter Schmetterling, die Zartflügelchen noch gefaltet. Ich hocke mich neben ihn und bewispere das Hauchgeschöpf. Frage, ob ich ihn in die noch wärmestrahlende Abendsonne tragen soll oder ob er es hier unten kaltfeuchtig schafft, sich von alleine in die Lüfte zu erheben. Strecke ihm dabei mehr unbewußt die Hand entgegen. Verstumme augenbefeuchtet, als er wie selbstverständlich auf meine Finger kletterzittert. Richte mich auf und gehe behutsam die Treppen hinauf. Bestaune dabei das Flügelgewunder, wie es sich Kraft in die Minischwingen pumpt. Terrassig wärmt die Sonne bereits sich verorangend noch die Liebeshainblumensamenkinder, die schon grünblätteräugig über ihren Topfrand schauen. Ein guter Platz für ein kräftesammelndes Flatterdings, finde ich. Und er wohl auch. Stakst sich auf das Blättchengewirr, als ich meine Hand daran halte und ihm leisstimmig alles Gute wünsche. Ein vorsichtiger Zeitlupenflügelschlag folgt. Ein erster von hoffentlich noch vielen, denn als ich zeitchenspäter kamerabewaffnet wieder aus dem Haus eile, um ihn zu beschnappschussen, sind die Liebeshainblümchen wieder ganz unter sich. Und ich um ein Kleinstflatterdingtränenglück reicher.